Osteoporose: bei Männern häufig unterschätzt

Auch Männer können Osteoporose bekommen. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)
Auch Männer können Osteoporose bekommen. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)

Die ersten Zeichen der Erkrankung treten meist erst im fortgeschrittenen Alter auf

(dbp/wgt) Lange Zeit galt die Osteoporose als reine Frauenkrankheit. Inzwischen ist jedoch klar, dass die Zahl der betroffenen Männer erheblich unterschätzt wurde. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass etwa jeder fünfte Osteoporose-Patient männlich ist. Dazu trägt auch die gestiegene Lebenserwartung bei Männern bei. Denn sie erkranken in der Regel etwa zehn Jahre später als Frauen und erleiden deutlich seltener Knochenbrüche, wie der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose hervorhebt.

Eine entscheidende Rolle bei den Unterschieden im Krankheitsbeginn und -verlauf spielen die Sexualhormone. Die Östrogene bei der Frau und das Testosteron beim Mann sorgen in jungen Jahren für einen gesunden Knochenstoffwechsel, bei dem ständig alte Zellen ab- und neue aufgebaut werden. Mit den Wechseljahren lässt die weibliche Hormonproduktion jedoch stark nach. Auf- und Abbau der Knochen geraten aus dem Gleichgewicht. Es kommt zum Knochenschwund, der so genannten primären Osteoporose aufgrund von Hormonmangel.

Hormonmangel macht sich erst später bemerkbar

Da die Produktion von Sexualhormonen bei Männern deutlich später und langsamer nachlässt, leiden sie in jüngeren Jahren auch seltener an Osteoporose. Das Gros der männlichen Patienten erkrankt dagegen an einer sekundären Osteoporose. Sie wird durch andere bereits vorhandene Erkrankungen verursacht oder tritt aufgrund der Nebenwirkungen von Medikamenten auf.

Doch mit steigendem Alter nimmt auch bei Männern die Wahrscheinlichkeit zu, dass die abnehmende Hormonproduktion den Knochenabbau beschleunigt. Die höhere Knochenmasse bei Männern, der langsamere Abbau und der größere Knochenquerschnitt tragen jedoch zu einem im Vergleich zu Frauen geringeren Knochenbruchrisiko bei.

Zu den wichtigsten Ursachen, die beim Mann zur Osteoporose führen, zählen unter anderem chronische Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Überfunktionen der Schilddrüse, die Behandlung mit Kortison über einen längeren Zeitraum, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und entzündliche rheumatische Erkrankungen. Als besondere Risikofaktoren gelten bei Männern außerdem starkes Rauchen und hoher Alkoholkonsum. Hinzu kommt häufig eine unzureichende Versorgung des Körpers mit Kalzium und Vitamin D sowie Bewegungsmangel.

Wirkung von Medikamenten weniger gut erforscht

Eine kalziumreiche Ernährung und eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D zählen deshalb ebenso wie regelmäßige Bewegung zu den Eckpfeilern der Vorbeugung und Therapie von Osteoporose. Da man dem Knochenschwund bei Männern in der Vergangenheit geringere Aufmerksamkeit geschenkt hat, liegen laut Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose zur Wirksamkeit der medikamentösen Therapie auch weniger Studien vor.

Derzeit kommen zur Behandlung der Osteoporose beim Mann je nach Schwere der Erkrankung verschiedene Medikamente aus der Gruppe der Bisphosphonate zur Anwendung, außerdem das Parathormon 1-34 und seit Juni 2012 auch Strontiumranelat, nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde die Beschränkung des Präparats auf die Therapie bei Frauen aufgehoben hat.