Osteopathie: Reine Handarbeit

Der Osteopath folgt mit seinen Händen den Spannungen im Gewebe und findet so die Ursachen der Schmerzen. (Foto: Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V.)
Der Osteopath folgt mit seinen Händen den Spannungen im Gewebe und findet so die Ursachen der Schmerzen. (Foto: Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V.)

Bei Diagnostik und Therapie arbeiten Osteopathen mit ihren Händen

(dbp/nas) Funktionsstörungen allein mit den Händen ertasten und behandeln – das ist das Grundprinzip der Osteopathie. Die Methode wurde vor mehr als hundert Jahren von dem amerikanischen Landarzt Dr. Andrew Taylor Still begründet. Sie basiert auf der Vorstellung, dass der Mensch aus Körper, Geist und Seele besteht, wobei der Körper eine Einheit darstellt, die in der Lage ist, sich selbst zu regulieren und zu heilen. Vorausgesetzt, alle Strukturen sind beweglich und damit gut versorgt. An dieser Stelle kommt der Osteopath ins Spiel.

Wenn Strukturen des Körpers blockiert sind und diese Blockaden zu Fehlfunktionen führen, ist es die Aufgabe des Osteopathen, die Fehlfunktionen aufzuspüren und zu beseitigen. „Über manuelle Techniken versuchen wir, Blockierungen zu lösen und die Selbstheilung des Körpers zu reaktivieren“, erklärt Martin Hauck-Trampe, Mitglied im Verband der Osteopathen Deutschlands.

Krankheitsursache: Blockade

Grundpfeiler der Osteopathie sind laut Martin Hauck-Trampe drei untrennbar miteinander verbundene Systeme: der parietale Bereich (Knochen, Bindegewebe und Muskulatur), der viszerale Bereich (die inneren Organe) und der kraniosakrale Bereich (Gehirn, zentrales Nervensystem, Kreuzbein und Rückenmark). Jede Erkrankung und jeder Schmerz wird auf eine Blockade in einem der Systeme zurückgeführt. „Wir betrachten dabei immer alle drei Systeme“, betonen Hauck-Trampe und Ute Vieweg, die gemeinsam ein Zentrum für Osteopathie und Physiotherapie in Marburg leiten.

Die Osteopathie kann schon bei Babys, noch im hohen Alter und auch während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Besonders geeignet ist sie bei allen Funktionsstörungen – Rücken- oder Schulterproblemen, bei Kopfschmerzen, Migräne sowie verschiedenen Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich oder von Hals, Nase und Ohren. Die mechanische Herangehensweise soll den Stoffwechsel anregen und die Beweglichkeit verbessern. Ihre Grenzen hat die Osteopathie dort, wo eben das nicht möglich ist, sagt Martin Hauck-Trampe. Akute Entzündungsprozesse oder Krankheiten wie Krebs kann kein Osteopath behandeln.

Osteopath darf sich jeder nennen

Wer einen guten Osteopathen sucht, der sollte dies über die Therapeutenlisten der Verbände tun. „Die Osteopathie leidet darunter, dass der Begriff nicht geschützt ist“, erläutert Hauck-Trampe. Anders als zum Beispiel in den USA oder auch in England, den Niederlanden oder der Schweiz, kann sich in Deutschland jeder Osteopath nennen, kritisiert der Experte. Vom Verband der Osteopathen wird deshalb eine standardisierte Ausbildung gefordert. Man sollte sich also unbedingt nach der Ausbildung des Osteopathen erkundigen, bevor man sich in dessen Hände begibt.

Auch in puncto Kostenübernahme ist es ratsam, sich vorab zu informieren. Einige gesetzliche Kassen bezahlen eine osteopathische Behandlung bis zu einem gewissen Betrag pro Jahr, andere lehnen eine Kostenübernahme ab. Martin Hauck-Trampe und Ute Vieweg empfehlen: „Nachfragen, was möglich ist.“ Oft wird im Einzelfall individuell entschieden.