Orientierungslos im Klinik-Labyrinth

Die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus macht vielen demenzkranken Patienten Angst. (Foto: Fotoluminate LLC / Fotolia)
Die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus macht vielen demenzkranken Patienten Angst. (Foto: Fotoluminate LLC / Fotolia)

Demenzkranke Patienten brauchen im Akutkrankenhaus besondere Betreuung

(dbp/auh) Muss ein demenzkranker Patient wegen einer zusätzlichen körperlichen Erkrankung oder nach einem Sturz oder Unfall ins Krankenhaus, kann das für alle Beteiligten problematisch sein. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) erklärt: Demenzkranke reagieren im Krankenhaus oft mit Angst und Unruhe und versuchen, die Klinik zu verlassen. Sie haben keine Krankheitseinsicht, können meist keine Auskunft über sich, ihre Beschwerden und Wünsche geben, können bei Diagnose, Behandlung, Körperpflege nicht mitwirken und haben Probleme beim Essen und Trinken.

Abläufe und Atmosphäre im Allgemeinkrankenhaus wirken auch auf psychisch Gesunde manchmal beängstigend: Angefangen bei den unbehaglichen Räumlichkeiten (Licht, Farbe, Mobiliar), deren Anordnung oft einem Labyrinth gleicht, über die Arbeitsprozesse, denen der Patient unterworfen wird, bis hin zur Ungewissheit über den eigenen Gesundheitszustand, weil der spürbare Zeitmangel des ärztlichen und pflegerischen Personals so manche Nachfrage erstickt. Wie mag sich ein Mensch mit Orientierungsschwierigkeiten in der ungewohnten Umgebung fühlen?

Projekt „Demenz-Koordinator“ in Gütersloh

Beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie in Essen nannte Demenz-Experte Bernd Meißnest ein praktisches Beispiel dafür, dass schon die Diagnostik Probleme bereiten kann: Wenn bei einem Demenzkranken ein MRT gemacht werden muss, kann man ihm nicht einfach sagen, er solle ruhig liegen bleiben und sich von dem lauten Klopfgeräusch nicht irritieren lassen, sagte der Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Gütersloh.

Meißnest, der in Gütersloh das Projekt „Demenz-Koordinator“ leitet, fasst zusammen: „Der Demenzkranke mit seinem Tempo passt nicht in die Strukturen der somatischen Medizin.“ Das Projekt, das nach Angaben von Meißnest Modellcharakter für andere Krankenhäuser haben wird, besteht im Kern aus einem speziell qualifizierten Mitarbeiter, dem Koordinator, der eine strukturierte und professionelle Begleitung von Demenz-Patienten ab der Aufnahme sicherstellen soll.

Noch zu wenig Demenzbeauftragte in Kliniken

Bundesweit gibt es mehrere ähnliche Projekte, die Konzepte für die Versorgung von Demenzkranken in Krankenhäusern verwirklichen wollen. Allerdings hat das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in einer großen Befragung, dem „Pflege-Thermometer 2014“, festgestellt, dass es bei der Umsetzung offenbar noch hapert: „Konzepte, wie tagesstrukturierende Maßnahmen oder auch die Schulung von Demenzbeauftragten im Krankenhaus, werden nur auf einer von zehn Stationen eingesetzt.“

Die DAlzG rät Angehörigen von Demenzkranken, die ins Krankenhaus müssen, das Klinikpersonal auf die erwartbaren Schwierigkeiten aufmerksam zu machen. Der Patient sollte möglichst oft und von wechselnden Familienmitgliedern und weiteren vertrauten Personen besucht werden. „Fragen Sie nach der Möglichkeit zum Rooming-in, damit Sie auch über Nacht in der Klinik bleiben können“, empfiehlt die Selbsthilfe-Organisation.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>