„Organisch“ bewegen lernen wie ein Baby

Nicht nur die Feldenkrais-Methode basiert auf der Erkenntnis, dass bewusste Bewegung zur Linderung von Beschwerden führen kann. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Nicht nur die Feldenkrais-Methode basiert auf der Erkenntnis, dass bewusste Bewegung zur Linderung von Beschwerden führen kann. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Für die Feldenkrais-Methode ist Lernbereitschaft die einzige Voraussetzung

(dbp/nas) Bewusstheit durch Bewegung – das ist das zentrale Prinzip der Feldenkrais-Arbeit, die nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais benannt ist. Der studierte Ingenieur hat ebenso als Lehrer wie auch im Straßenbau und für die britische Admiralität gearbeitet. Als einer der ersten Europäer erlangte er den schwarzen Gürtel im Judo. Vor rund 50 Jahren entwickelte Feldenkrais eine körperorientierte Methodik, um Bewegungsabläufe wahrzunehmen und bei Bedarf verändern zu können. Dabei ist der „Schüler“ immer der eigentliche „Meister“, erklärt Corinna Eikmeier, die Vorsitzende des Feldenkrais-Verbands Deutschland.

„Es muss sich gut anfühlen“

„Der Schüler bestimmt das Tempo“, sagt Eikmeier und erläutert, dass es bei der Feldenkrais-Methode um „organisches Lernen“ geht – ein Lernen, das nicht von außen gestört werden dürfe. Alle Babys lernen auf diese Weise: Sie führen Bewegungen aus, ohne dass sie ihnen jemand beibringen würde und entwickeln sich, indem sie von alleine Lösungen entdecken. Das Kriterium dabei ist laut Corinna Eikmeier: „Es muss sich gut anfühlen“. Kein Baby tue etwas, das sich nicht gut anfühlt. Bei Erwachsenen oder auch schon bei Kindern sind hingegen oft bereits Bewegungsmuster eingeprägt, die zu Fehlhaltungen und –belastungen, Schmerzen und Blockaden führen können. Und das nicht nur auf körperlicher Ebene.

In jeder Handlung ist nach Ansicht von Moshé Feldenkrais die Bewegung untrennbar mit dem Denken, Fühlen und Empfinden verbunden. Und genau da setzt seine Methode an. Ganz alltägliche Bewegungen werden zunächst genau so ausgeführt, wie man es eben gewohnt ist und dann sozusagen in die einzelnen Elemente „zerlegt“, um diese variieren und neu miteinander kombinieren zu können. Der Feldenkrais-Lehrer, der „Practitioner“ genant wird, leitet die Schüler über Berührungen und durch Fragen an, all das bewusst wahrzunehmen. Ein Prinzip, das dabei laut Corinna Eikmeier häufig zur Anwendung kommt: Es werden Einschränkungen im Bewegungsablauf gesetzt, um zu lernen, mit diesen Einschränkungen zurechtzukommen und neue Lösungen zu entwickeln.

Feldenkrais ist für jeden geeignet

Diese Methode sei grundsätzlich für jeden Menschen geeignet, völlig unabhängig von seinem Alter oder seinem körperlichen Zustand, sagt Eikmeier. „Der einzige Vorbehalt ist, wenn jemand nicht lernen will“. Aber jeder sei fähig, zu lernen – bis ins hohe Alter. Der Unterricht findet entweder in der Gruppe oder in Einzelsitzungen statt. Die Kosten werden von den gesetzlichen Kassen nur in Einzelfällen übernommen. Corinna Eikmeier selbst ist Musikerin und hat Feldenkrais im Studium als eine Möglichkeit entdeckt, ihre Kunst zu verbessern, wie sie es formuliert. Musiker und Sportler nutzen die Feldenkrais-Methode ebenso wie Menschen in der Rehabilitation, chronisch Kranke oder Schmerzpatienten. Für sie alle ist es mit den Worten von Moshé Feldenkrais das Ziel, „das Unmögliche möglich, das Mögliche leicht und das Leichte elegant“ zu machen. Mit seiner Methode wollte er es Menschen ermöglichen, sich ihre Beweglichkeit zu bewahren – und zwar die körperliche ebenso wie die geistige.