Operation als Option bei Parkinson

Die Tiefenhirnstimulation basiert auf einem implantierten Gerät, das elektrische Impulse an bestimmte Zielgebiete im Gehirn abgibt. (Foto: BVMed / medtronic)
Die Tiefenhirnstimulation basiert auf einem implantierten Gerät, das elektrische Impulse an bestimmte Zielgebiete im Gehirn abgibt. (Foto: BVMed / medtronic)

Die Tiefenhirnstimulation kann Lebensqualität der Patienten verbessern

(dbp/ihs) Parkinson ist nicht heilbar, die Symptome können aber mit Medikamenten eine Zeit lang gelindert werden. Um den fehlenden Botenstoff Dopamin auszugleichen, geben Ärzte als Medikament die Vorstufe L-Dopa. L-Dopa kann im Gegensatz zu Dopamin die Bluthirnschranke überwinden und wirkt vor allem positiv auf die Beweglichkeit, die Muskelsteifigkeit, das Zittern und hellt die Stimmung auf. Im Krankheitsverlauf kommt es jedoch trotz der Medikamente zu schwankenden Wirkspiegeln und die Symptome verstärken sich wieder.

„In solchen Fällen“, sagt Professor Dr. Walter Paulus, Direktor der Klinischen Neurophysiologie an der Universität Göttingen, „kann eine Tiefenhirnstimulation (THS) sinnvoll sein.“ An vorher genau berechneten Stellen im Gehirn würden kleine Elektroden dauerhaft eingesetzt. Bestimmte Hirnareale könnten so elektronisch gereizt werden. „Bisher“, räumt Prof. Paulus ein, „wurde das operative Verfahren nur bei den Patienten eingesetzt, die von einer medikamentösen Therapie nicht mehr ausreichend profitieren konnten.“ Eine aktuelle in Kiel koordinierte Studie habe jedoch ergeben, dass die Vorteile einer Tiefenhirnstimulation auch schon in einem früheren Krankheitsstadium und bei unter 60-jährigen Patienten überwiegen können.

Operation kann medikamentöse Therapie ergänzen

Wenn über mehrere Jahre dopaminhaltige Medikamente gegeben werden, kann es nach langer Therapiedauer zu schweren Nebenwirkungen kommen. „Die medikamentöse Einstellung ist anspruchsvoll“, weiß Prof. Paulus. Jeder Patient spreche anderes auf ein Medikament an, es könnten nach einiger Zeit unberechenbare und unkontrollierte Bewegungen auftreten. Außerdem litten einige Patienten unter Halluzinationen sowie Depressionen. Das habe auch Auswirkungen auf die soziale Kommunikation. „Bei einer Tiefenhirnstimulation“, sagt Prof. Paulus, „kann die Lebensqualität auch bei Patienten, die noch nicht so lange an Parkinson erkrankt sind, deutlich verbessert werden.“ Die frühe Neurostimulation sei sogar laut Studie der alleinigen Gabe von Medikamenten in diesem Stadium überlegen. Außerdem konnte die Medikamentendosis um rund 39 Prozent reduziert werden. An der Studie waren neun deutsche und acht französische Kliniken beteiligt und sie wurde durch das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung sowie die Firma Medtronic unterstützt.

Ein Neurochirurg operiert

Die Tiefenhirnstimulation wird von einem Neurochirurgen durchgeführt, der zuvor den Weg der Elektrode über eine genaue Bildgebung genau berechnen muss, um größere Blutgefäße nicht zu verletzen. „Das Risiko, dass dabei etwas schief läuft“, betont Prof. Paulus, „ist aber denkbar gering.“ Die Tiefenhirnstimulation sei ein Standardverfahren, für den Patienten nicht sehr angenehm, aber die Nebenwirkungen und Risiken überschaubar. So könnten beispielsweise Infektionen auftreten und es sei notwendig, dass nach einigen Jahren die Batterie ausgewechselt wird. Wesentlich unangenehmer sei jedoch, dass der Kopf des Patienten fixiert werden müsse und der Eingriff mehrere Stunden dauere.