OP am Rücken ohne großen Schnitt

Arzt und Patient besprechen gemeinsam die Wahl der Therapie bei einem Bandscheibenvorfall. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)
Arzt und Patient besprechen gemeinsam die Wahl der Therapie bei einem Bandscheibenvorfall. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)

Ein Bandscheibenvorfall kann mit verschiedenen minimalinvasiven Methoden operiert werden

(dbp/auh) Bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich ist eine Operation in den meisten Fällen nicht erforderlich. Etwa zehn Prozent der Patienten haben allerdings neurologische Ausfälle, die einen sofortigen chirurgischen Eingriff notwendig machen, um bleibende Nervenschäden zu verhindern.

„Auch im Falle eines sehr großen Bandscheibenvorfalls, der nahezu den gesamten Nervenkanal verlegt und die Nervenwurzeln stark komprimiert, ist eine frühzeitige Operation sinnvoll“, rät Dr. Carmen Leichtle, langjährige Oberärztin für Wirbelsäulenchirurgie an der Universitätsklinik Tübingen.

Operiert wird natürlich auch, wenn konservative Methoden nicht zum Ziel führen. Mit medikamentöser Schmerzlinderung oder Akupunktur, mit Physiotherapie, Muskelaufbautraining, Entspannungstechniken, diversen alternativen Heilmethoden oder auch mit psychotherapeutischen Verfahren wird in der Regel zunächst versucht, die Beschwerden zu lindern.

Individuelle Entscheidung für oder gegen Operation

Beide Methoden, also operative und nicht-operative Verfahren, haben ihren gleichberechtigten Platz bei der Behandlung von lumbalen Bandscheibenvorfällen. Sie liefern auf lange Sicht vergleichbar gute Erfolge und bringen nur wenige Komplikationen mit sich. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) hin und gibt zu bedenken, dass die Entscheidung für oder gegen eine Operation mit jedem Patienten individuell getroffen werden solle. „Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch“, so formuliert es die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.

Was passiert bei dem Eingriff? „Bei Bandscheiben-Operationen muss der eingeklemmte Nerv entlastet werden“, erklärt die Deutsche Schmerzliga. In den meisten Fällen geschieht das heutzutage mikrochirurgisch oder endoskopisch, das heißt, ohne die Bandscheibe freizulegen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von dem jeweiligen Befund und den anatomischen Gegebenheiten ab, aber auch von der Erfahrung des Operateurs.

Mikrochirurgisch oder endoskopisch

Detailliert erläutert der Bundesverband für Ambulantes Operieren (BAO) die beiden Operationstechniken: Bei der offenen mikrochirurgischen Vorgehensweise wird über einen kleinen Hautschnitt im Rücken die vorgefallene Bandscheibe unter mikroskopischer Sicht mit feinen Mikroinstrumenten entfernt. Die Nervenwurzel wird befreit, und alle lockeren Knorpelanteile vorsorglich aus dem Bandscheibenraum geräumt.

Bei dem endoskopischen Eingriff wird ein schmales Rohr von der Seite in den Körper eingebracht, durch das die feinen Instrumente geführt werden. Hierfür ist nur ein sehr viel kleinerer Hautschnitt erforderlich. Der wesentliche Vorteil: Das Gewebe wird geschont, sodass Vernarbungen deutlich geringer ausfallen.

Bei beiden Verfahren kann auch der Laser zum Einsatz kommen. Man spricht dann von „perkutaner Laser-Discus-Dekompression“. Vorfälle und Vorwölbungen der Bandscheiben können mittels Laserenergie geschrumpft und die Lücke wieder verschweißt werden. Die Bandscheibe muss bei diesem Verfahren nicht vollständig ausgeräumt werden, was der späteren Stabilität der Wirbelsäule zugute kommt.