Ödeme: Dicke Füße sind nicht immer harmlos

Bei Patienten mit Herzschwäche kommt es häufig zu Wassereinlagerungen in Füßen und Beinen. (Foto: koszivu/Fotolia)
Bei Patienten mit Herzschwäche kommt es häufig zu Wassereinlagerungen in Füßen und Beinen. (Foto: koszivu/Fotolia)

Wassereinlagerungen können auf Herzprobleme hinweisen.

(dbp/spo) Wem abends die Beine schwer werden und die Füße anschwellen, der hat tagsüber womöglich zu viel gestanden oder gesessen. Solche Wassereinlagerungen (Ödeme) können ganz harmlos sein. Manchmal liegt die Ursache dafür aber auch im Herzen.

Typische Anzeichen für ein Ödem: Die Haut spannt, Kleidung oder Schmuck schneiden ein, nach dem Eindrücken der Haut bleibt eine Delle zurück.

Oft treten Ödeme als Begleiterscheinung einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auf. Ein Grund dafür: Wird das Blut wegen eines geschwächten Herzmuskels nicht kräftig genug weitergepumpt, kommt es zu einem Rückstau vor dem Herzen. Dieser kann sich bis in die kleinen Gefäße in den Füßen ziehen, die dann prall gefüllt sind. Weil sich dort der Druck erhöht, wird Flüssigkeit ins umliegende Gewebe gepresst. Die Folge: Wasseransammlungen.

Ödem in der Lunge sorgt für Atemnot

Grundsätzlich können sich die Ödeme bei einer Herzschwäche aber nicht nur in den Beinen, sondern in fast allen Körperregionen bilden; auch in Organen wie Lunge und Leber, wo sie zunächst oft gar nicht bemerkt werden. „Wenn sich Wasser in Organen einlagert, ist das viel dramatischer als im Fuß oder Knöchel“, sagt Professor Dr. Thomas Meinertz, der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung. Sammelt sich Wasser zum Beispiel in der Lunge, „kriegen die Patienten irgendwann nicht mehr richtig Luft“. Anfangs spüren die Betroffenen die Atemnot nur bei Belastung, später dann immer.

Bei Herzpatienten können Ödeme ein Zeichen sein, dass sich die Krankheit verschlechtert. Deshalb sollten sie bei jeder Gewichtsveränderung wachsam sein. Schwankungen von plus/minus einem Kilogramm sind laut Professor Meinertz im Rahmen. „Ödeme, bei denen Sie auf einmal drei bis fünf Kilo mehr auf der Waage sehen, können allerdings schon ein Grund für eine Klinikeinweisung sein.“

Diuretika mit Bedacht einsetzen

Behandelt werden müssen eigentlich nicht die Ödeme selbst, sondern ihre Ursache. Damit sich extreme Formen jedoch zügig zurückbilden, greifen Ärzte oft auf harntreibende Medikamente zurück – sogenannte Diuretika. Aber: Wenn die Patienten nicht unter dem Ödem leiden, ist es „besser, noch etwas davon zu belassen, als zu viel zu behandeln“, sagt Professor Meinertz. Denn auch die Diuretika haben ihre Nebenwirkungen. Wird zu viel behandelt, sorgen sie dafür, dass der Körper Elektrolyte verliert und die Patienten sich schlechter fühlen.

Nicht alle Ödeme lassen sich auf ein schwaches Herz zurückführen. Wasseransammlungen sind auch bei Beinvenenthrombosen, Nieren- und Lebererkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei allergischen Reaktionen häufige Begleiter. Zudem können bestimmte Medikamente die Ursache sein. Lymphödeme, bei denen sich Lymphflüssigkeit staut, treten wiederum oft nach Brustkrebsoperationen auf, bei denen Lymphknoten entfernt wurden. Wer also Ödeme hat, die ständig wiederkehren und sich sogar verschlimmern, sollte die Ursache besser ärztlich abklären lassen.