Nur zwei Wirkstoffe können den Haarwuchs anregen

Shampoos gegen Haarausfall? Mediziner bezweifeln die Wirksamkeit. (Foto: WavebreakMediaMicro / Fotolia)
Shampoos gegen Haarausfall? Mediziner bezweifeln die Wirksamkeit. (Foto: WavebreakMediaMicro / Fotolia)

Kein Shampoo macht abgestorbene Haarwurzeln wieder lebendig

(dbp/nas) Eine schwere Erkrankung, die Einnahme eines Medikaments, die Wechseljahre oder – wie in den meisten Fällen – eine genetische Veranlagung: Haarausfall kann viele verschiedene Gründe haben. Um dem Haarverlust entgegenzuwirken, muss daher zunächst einmal vom Hautarzt Ursachenforschung betrieben werden. Vom Ergebnis hängt es ab, ob Medikamente zum Einsatz kommen oder ob es gilt, Geduld zu haben, bis die Haare wieder wachsen. Schließlich kann es auch eine dritte Option geben: Wenn der Haarverlust unwiederbringlich ist, helfen optische Mittel.

Schon in grauer Vorzeit wurde versucht, Haarausfall mit allerlei Mitteln zu kurieren. Die Zeiten von Tierblut, Tarantelsud und Magie sind längst Geschichte. Heute werden östrogenhaltige Tinkturen, Koffeinshampoos oder Aminosäurenkomplexe angeboten. Einen wissenschaftlich belegten Nachweis der Wirksamkeit gibt es bislang allerdings bei den meisten Mitteln nicht. Dennoch werde oft mit „blumigen Erfolgsaussichten“ geworben, kritisiert die Stiftung Warentest.

Minoxidil und Finasterid können helfen

Aus ärztlicher Sicht gibt es lediglich zwei Wirkstoffe, die man empfehlen könne, sagt Professor Henning Hamm vom Uniklinikum Würzburg: Minoxidil und Finasterid. Minoxidil wird gegen Haarausfall äußerlich als Tinktur angewandt – und ist ein klassisches Zufallsprodukt aus der Forschung: Der Wirkstoff wurde ursprünglich als Blutdrucksenker genutzt, ein vermehrtes Haarwachstum dabei als Nebenwirkung entdeckt. Das Mittel kann von Männern und – in geringerer Konzentration – auch von Frauen verwendet werden, die unter androgenetischem, also anlagebedingtem Haarausfall leiden.

Finasterid wiederum wurde zunächst als Prostata-Medikament eingesetzt. Der Enzymhemmer senkt bei Männern den Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron, das die Haarfollikel schrumpfen lässt. Das Mittel hilft nur, wenn der Haarausfall noch nicht weit fortgeschritten ist und seine Wirkung endet, sobald man es wieder absetzt. Vorsicht: Kommen Schwangere mit Finasterid in Berührung, kann das zu Fehlbildungen beim männlichen Nachwuchs führen.

Nahrungsergänzung ist nur bei einem Mangel sinnvoll

Shampoos, Haarwässer oder Haartonika, die Koffein enthalten, sollen dank dieses Wirkstoffs die Durchblutung und damit die Versorgung der Haarwurzeln mit Nährstoffen fördern. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Haarwurzeln noch nicht abgestorben sind. Weder Vitamine noch Pflanzenextrakte oder buntes Licht erwecken totes Haar zu neuem Leben. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann nur gezielt helfen: dann nämlich, wenn auch tatsächlich ein Mangel im Körper besteht und zum Beispiel zu wenig Eisen oder Zink vorhanden ist.