Nur ein Chromosom zu viel

Fast alle Kinder mit Down-Syndrom können Lesen und Schreiben lernen. (Foto: philidor / Fotolia)
Fast alle Kinder mit Down-Syndrom können Lesen und Schreiben lernen. (Foto: philidor / Fotolia)

Kinder mit Down-Syndrom brauchen frühe Förderung, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln

(dbp/auh) Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, es tut nicht weh und ist nicht ansteckend. Es ist auch keine Erbkrankheit, sondern eine genetische Besonderheit, die während der Befruchtung entsteht. Sie kann jedem Elternpaar „passieren“, überall auf der Welt und in allen sozialen Schichten. 80 Prozent der Mütter eines Babys mit Down-Syndrom sind jünger als 35 Jahre.

Menschen mit Down-Syndrom haben ein Chromosom „zu viel“. Üblicherweise befinden sich in jedem Zellkern 23 doppelte Chromosomen, also insgesamt 46. Wenn das Chromosom mit der Nummer 21 dreimal statt nur zweimal vorhanden ist, spricht man von „Trisomie 21“. Das „überzählige“ Chromosom entsteht beim Verschmelzen von Ei- und Samenzelle. Die synonyme Bezeichnung Down-Syndrom geht auf den englischen Arzt John Langdon Down zurück, der 1866 als Erster die klassischen Merkmale des Syndroms beschrieb.

Äußerlich haben die meisten Menschen mit Down-Syndrom bestimmte Kennzeichen, zum Beispiel an den Augen: schräg gestellte Lidachsen und eine sichelförmige Hautfalte am inneren Lidwinkel (Epikanthus) sind recht typisch. Der Mund und die Ohren sind relativ klein und die Kopfform wirkt sehr rundlich. Darüber hinaus kommen viele Babys mit Organschäden zur Welt, die aber in der Regel operativ korrigiert werden können. So hat etwa jedes zweite Downie-Baby einen angeborenen Herzfehler, etwa zehn Prozent müssen möglichst rasch nach der Geburt an einem der Verdauungsorgane operiert werden und viele Kinder haben Seh- oder Hörstörungen.

Jedes Kind ist einzigartig

Von diesen körperlichen Besonderheiten abgesehen ist jedes Kind mit Down-Syndrom eine einzigartige Persönlichkeit mit individuellem Aussehen, Temperament und geistigen Fähigkeiten. Auch die Lernfähigkeit ist unterschiedlich ausgeprägt. „Die Erforschung der geistigen Entwicklung hat ergeben, dass Menschen mit Down-Syndrom weit größere Fähigkeiten haben, als man ihnen früher zugetraut hat. Bei Menschen mit Down-Syndrom entwickelt sich die Intelligenz nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie bei nicht behinderten Menschen, jedoch in einem verlangsamten Tempo“, darauf weist der Arbeitskreis Down-Syndrom hin.

Nur sehr wenige Menschen mit Down-Syndrom, nach Angaben des Deutschen Down-Syndrom Info-Centers sind es etwa acht Prozent, haben eine schwere Intelligenzminderung. Bei ihnen liegen meist noch zusätzliche Beeinträchtigungen vor, hervorgerufen etwa durch Sauerstoffmangel während der Geburt. Hingegen gibt es in jüngster Zeit immer mehr Beispiele von Menschen mit Down Syndrom, die mit erstaunlichen Leistungen von sich reden machen.

(Fast) alles ist möglich

Der Spanier Pablo Pineda, 1974 in Malaga geboren, schloss als erster Europäer mit Down-Syndrom ein Hochschulstudium ab und arbeitet als Lehrer in Cordoba. Berühmt wurde er im Jahr 2009 durch den Spielfilm „Me too – Wer will schon normal sein?“, in dem er selbst die Hauptrolle spielte. Vielleicht kein Zufall: In Spanien gibt es seit 1986 keine Sonderschulen mehr. Auf einem anderen Gebiet ist der 18-jährige Kevin Grow aus den USA buchstäblich über sich hinaus gewachsen: Bei einem Basketball-Spiel erzielte er vier Drei-Punkte-Würfe, obwohl er vorher nie aufs Spielfeld durfte. Das Video wurde zum YouTube-Hit.

„Nicht jeder Mensch mit Down-Syndrom kann studieren“, sagte Pablo Pineda in einem Interview, „aber er kann lernen“. Wichtig ist, die Kinder früh zu fördern. Das Down-Syndrom Info-Center: „Nie sollte man von vornherein annehmen, dies oder jenes würde das Kind mit Down-Syndrom nicht lernen. Eine niedrige Erwartungshaltung ist für seine Entwicklung katastrophal.“