Noch nicht erwachsen und schon Mutter werden?

Mehr als die Hälfte aller Schwangeren unter 18 Jahren entscheidet sich für einen Abbruch. (Foto: Alexander Raths /Fotolia)
Mehr als die Hälfte aller Schwangeren unter 18 Jahren entscheidet sich für einen Abbruch. (Foto: Alexander Raths /Fotolia)

Teenagerschwangerschaften sind in Deutschland vergleichsweise selten

(dbp/wgt) Jugendliche in Deutschland verzichten beim Sex nur selten auf Verhütungsmittel. Fehler im Umgang mit Pille und Kondom sind der Hauptgrund, wenn Teenager ungewollt schwanger werden.

Etwa acht von 1.000 Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren werden in Deutschland jährlich schwanger. Rund 90 Prozent der Minderjährigen haben das frühe Baby-Glück nicht gewollt. Dabei mangelt es den Teenagern nicht an Verantwortungsbewusstsein. Denn vier von fünf Jugendlichen greifen schon beim „ersten Mal“ zu Pille oder Kondom. Mit zunehmender sexueller Erfahrung verwenden 95 Prozent der Heranwachsenden Verhütungsmittel.

Wenn junge Frauen dennoch schwanger werden, liegt das in zwei von drei Fällen an Verhütungspannen mit Pille und Kondom, jede Dritte hat nicht oder unsicher verhütet. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie von Pro Familia und dem Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie der Universität Hamburg.

Fehlende Erfahrung mit der Pille

Was also läuft falsch, wenn Teenager trotz Verhütung schwanger werden? Vielen jungen Frauen fehlt es an Routine im Umgang mit der Pille. Sie wird vergessen oder zu spät eingenommen, und oft wird übersehen, dass der Verhütungsschutz bei Durchfall und Erbrechen oder durch die Wechselwirkung mit Medikamenten versagen kann.

Kondome gelten bei Jugendlichen nicht nur als unerotisch. Sie erweisen sich auch als pannenanfällig. Das fängt schon dabei an, die passende Größe zu finden, um ein Abrutschen zu vermeiden. Und oft wird übersehen, wenn das Kondom undicht ist. „Viele Mädchen überlassen das Überziehen und das Abstreifen ihrem Freund und gehen davon aus, dass es keine Probleme gab. Dies ist eine schlechte Strategie, da Kondompannen auf diese Weise eher unbemerkt bleiben“, so Silja Matthiesen, Mitverfasserin der Pro Familia-Studie.

Hauptschülerinnen sind häufiger schwanger

Das höchste Risiko, schon im Jugendalter schwanger zu werden, tragen sozial benachteiligte junge Frauen. Armut, Arbeitslosigkeit und geringe Bildungschancen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Minderjährige nicht oder unsicher verhüten. So sind Haupt- und Förderschülerinnen fünfmal so häufig betroffen wie Gymnasiastinnen. „Wenn die Lebensumstände prekär sind, verfügen Frauen offensichtlich über weniger Motivation und Kompetenzen, sich um den Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft zu kümmern“, stellt Silja Matthiesen fest.

Beratungsstellen bieten Unterstützung

Rund 60 Prozent der minderjährigen Schwangeren entscheiden sich für eine Abtreibung. Zwei Aspekte spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie wollen Schule und Ausbildung nicht aufs Spiel setzen, um sich ihre Zukunft nicht zu verbauen. Und sie fühlen sich weder materiell in der Lage noch reif genug, ein Kind aufzuziehen. Nicht selten fehlt es auch an einer gefestigten Beziehung.

Wird eine ungewollte Schwangerschaft diagnostiziert, stehen junge Frauen unter Zugzwang. Innerhalb kurzer Zeit müssen sie entscheiden, ob sie das Kind wollen oder nicht. Die rund 1.500 staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen in Deutschland bieten ihnen dabei vielfältige Unterstützung. Die Adressen hält die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Internet bereit unter www.familienplanung.de/beratung/beratungsstellensuche.

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Quellenangaben:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.) (2009): Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch bei minderjährigen Frauen. Eine Studie im Auftrag des Bundesverbands der Pro Familia, http://www.bzga.de/; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.) (2011): Teenagerschwangerschaften aktuell. Forum Sexualaufklärung und Familienplanung Sonderheft 2011; Matthiesen, Silja (2008): Wenn Verhütung scheitert – Qualitative und quantitative Analysen zu Verhütungspannen bei Jugendlichen. Ergebnisse eines Pro Familia Forschungsprojektes; Pro Familia (2009): Jugendschwangerschaften in Deutschland 1, www.profamilia.de; Pro Familia (2009): Jugendschwangerschaften in Deutschland 2, www.profamilia.de; Statistisches Bundesamt (2012): Schwangerschaftsabbrüche 2011, https://www.destatis.de; alle Seiten abgerufen im Dezember 2012