Nicht selten: Depression nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall leidet jeder dritte Patient an einer Depression, so die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. (Foto: Smailhodzic / Fotolia)
Nach einem Schlaganfall leidet jeder dritte Patient an einer Depression, so die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. (Foto: Smailhodzic / Fotolia)

Oft begleiten psychische Probleme die körperlichen Beeinträchtigungen

(dbp/wgt) Nach einem Schlaganfall müssen die Betroffenen verloren gegangene Fähigkeiten oft mühsam neu erlernen. Trotz intensiver Rehabilitation bleiben jedoch häufig Bewegungs- und Sprachstörungen sowie andere körperliche Beeinträchtigungen zurück, die eine Rückkehr in den Alltag erschweren. Einfache Tätigkeiten wie Körperpflege und Essen fallen schwer oder lassen sich nur noch mit fremder Hilfe bewältigen. Viele Patienten reagieren auf die neue Situation mit psychischen Problemen. So leidet nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) jeder dritte Schlaganfallpatient an einer Depression.

Meist treten Depressionen in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall auf. Nach schweren Schlaganfällen sind sie häufiger als nach leichteren. Besonders oft sind laut DSG Frauen, ältere Menschen und Patienten ohne ausreichende soziale Unterstützung betroffen. Auch Patienten mit bereits vorhandenen psychischen Störungen leiden nach einem Schlaganfall eher unter Depressionen.

Unklar sind bislang allerdings die genauen Ursachen. So gehen die Expertenmeinungen darüber auseinander, ob die Depression auf die Hirnschädigung durch den Schlaganfall zurückzuführen ist oder ob sie als psychische Reaktion des Patienten auf den Schlaganfall und seine Folgen betrachtet werden muss.

Gefahr für den Rehabilitationserfolg

Weitgehend einig sind sich die Experten darin, dass die Depression die Genesung nach einem Schlaganfall verzögern und sich damit negativ auf den Erfolg der Rehabilitation auswirken kann. Denn der Behandlungsverlauf hängt ganz entscheidend von der Mitarbeit des Patienten ab. Deshalb ist es wichtig, eine Depression frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Angehörige und Freunde, aber auch Ärzte und Pflegepersonal sollten genau auf mögliche Anzeichen achten. Die DSG empfiehlt sogar, alle Schlaganfallpatienten auf Symptome einer Depression zu untersuchen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nennt als mögliche Symptome, die auf eine Depression hindeuten, tiefe Traurigkeit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, geringes Selbstwertgefühl und Schlafstörungen. Bei manchen Patienten geht die Depression auch mit starken Gefühlsausbrüchen einher. Sie weinen oder lachen unvermittelt, sind launisch und reagieren emotionaler als gewohnt.

Medikamente oder psychologischer Rat?

Treten die Symptome über einen Zeitraum von mehreren Wochen auf, kann das auf eine Depression hindeuten. Gemeinsam mit den behandelnden Ärzten sollten Patienten und Angehörige dann über Therapiemöglichkeiten beraten. Infrage kommen sowohl Medikamente als auch psychologische und psychotherapeutische Hilfen. Laut IQWiG ist der Nutzen von Medikamenten jedoch umso größer, je stärker die Depression.

Bei einer medikamentösen Behandlung kommen Antidepressiva zum Einsatz. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Trizyklische Antidepressiva. Studien legen überdies nahe, dass die SSRI-Präparate sich möglicherweise auch positiv auf die körperliche Genesung der Schlaganfallpatienten auswirken.

Doch nicht immer müssen die Depressionen mit Medikamente behandelt werden. Oft können Psychiater und Psychologen den Betroffenen dabei helfen, mit ihrer Situation besser umzugehen, Ängste und Stress zu bewältigen und neue Perspektiven zu entwickeln.

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Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (2013): Post-Stroke-Depression: Ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten betroffen – Antidepressiva können die Erholung begünstigen. Online: http://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/400-post-stroke-depression-antidepressiva-koennen-die-erholung-beguenstigen.html; Hofmann, Peter u.a. (2011): Antidepressive Therapie bei depressiven Störungen im Gefolge von Schlaganfällen. In: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie. Zeitschrift für Erkrankungen des Nervensystems. 12. Jg., H. 3, S. 262-264. Online: http://www.kup.at/kup/pdf/9969.pdf; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2014): Depression nach einem Schlaganfall. Online: https://www.gesundheitsinformation.de/depression-nach-einem-schlaganfall.2078.de.html?part=lebenundalltag-s2; Kampfhammer, Hans-Peter (2011): Poststroke-Depression: Diagnostik Epidemiologie, Verlauf und Ätiopathogenese. In: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie. Zeitschrift für Erkrankungen des Nervensystems. 12. Jg., H. 3, S. 254-261. Online: http://www.kup.at/kup/pdf/9942.pdf; Wipprecht, Melanie/Grötzbach, Holger (2013): Poststroke Depression bei Aphasie: Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. In: Neurologie und Rehabilitation. 19. Jg., H. 5, S. 310-320. Online: http://www.diakonie-kolleg-hildesheim.de/fileadmin/user_upload/Diakonie_Kolleg_Hildesheim/PDF/Wipp2.pdf; abgerufen im März 2015