Nicht jeder Engpass im Herzen ist gefährlich

Für eine genaue Diagnose bei Herzbeschwerden müssen mehrere Untersuchungen gemacht werden. (Foto: Mopic / Fotolia)
Für eine genaue Diagnose bei Herzbeschwerden müssen mehrere Untersuchungen gemacht werden. (Foto: Mopic / Fotolia)

Blutfluss-Messung klärt, ob eine Verengung in den Herzkranzgefäßen therapiert werden muss

(dbp/auh) Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen. Hierzulande gibt es nach Angaben der Deutschen Herzstiftung etwa 1,5 Millionen Menschen mit krankhaft verengten Herzkranzgefäßen. Das Bedrohliche an der KHK ist, dass sich Ablagerungen in den Koronararterien vergrößern können, sodass sich das Gefäß komplett verschließt. „Wird das betroffene Gefäß nicht sofort wieder geöffnet, werden Teile des Herzmuskels absterben. Das kann akut zu schweren Herzrhythmusstörungen und zum Versterben führen, langfristig zu einer Herzmuskelschwäche mit eingeschränkter Belastbarkeit“, erklärt Professor Stephan Achenbach, Direktor der Kardiologie am Uni-Klinikum Erlangen.

Gefäßverengung kann das Herz schwächen

Aber auch schon vorher, wenn der Blutstrom im Gefäß „nur“ gehemmt ist, kann es zu einer Sauerstoff-Unterversorgung des Herzmuskels kommen. Das Herz wird weniger leistungsfähig, es droht eine Herzinsuffizienz.

Andererseits gibt es auch Menschen mit Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die keine gesundheitlichen Probleme machen. Wenn die Plaques sich nicht vergrößern, nicht vermehren und den Sauerstofftransport nicht behindern, müssen sie auch nicht behandelt werden. Wird aber bei einer „normalen“ Herzkatheteruntersuchung eine solche Engstelle entdeckt, wird sie in vielen Fällen auch gleich vorsorglich therapiert. Zum Beispiel wird sie mit einem Ballon aufgedehnt (Ballondilatation) oder es wird ein Stent implantiert.

Fraktionelle Flussreserve gibt Aufschluss

Es gibt aber eine Möglichkeit, während der Katheteruntersuchung zu messen, ob die Engstelle die Sauerstoffversorgung gefährdet oder nicht. Gemessen wird die „fraktionelle Flussreserve“ (FFR). Professor Achenbach erklärt, wie das funktioniert: „Aus Blutdruckveränderungen vor und nach der Engstelle können wir den sogenannten FFR-Wert berechnen und so den Schweregrad der Verengung besonders gut beurteilen. Dies dient der Entscheidung, ob eine Behandlung notwendig ist und in welcher Form diese erfolgt.“

In einem gesunden Gefäß beträgt der FFR-Wert 1,0. Bei einem Wert von 0,6 kann nur noch 60 Prozent des normalen Blutflusses in dem betroffenen Gefäß erreicht werden. „Generell kann man sagen, dass ein FFR-Ergebnis unter 0,75 die Behandlung einer Verengung erfordert“, erläutert der Medizingerätehersteller St. Jude Medical unter www.ffr-messung.de.

Stent nicht immer nötig

Eine Fallgeschichte, die das Uni-Klinikum Heidelberg (www.klinikum.uni-heidelberg.de) veröffentlicht hat, macht die Vorteile der FFR-Messung deutlich: Ein 65-jähriger Patient bekam eine Herzkatheteruntersuchung aufgrund von unklarem Brustschmerz. Dabei wurden zwei Engstellen des Vorderwandgefäßes gefunden, beide waren zu 70 Prozent verengt. Eine in der gleichen Sitzung durchgeführte FFR-Messung zeigte allerdings, dass diese Engstellen die Durchblutung und somit die Funktion des Herzmuskels in diesem Areal nicht einschränkten (FFR-Wert 0,85). Deshalb wurde von einer Behandlung mittels Ballonaufdehnung und Stent-Implantation abgesehen. Eine im Anschluss durchgeführte Kernspintomografie bestätigte die Abwesenheit einer Durchblutungsstörung.

Sollte das Setzen von Stents notwendig sein, könne die FFR-Messung auch während des Eingriffs eingesetzt werden, um den Eingriff zu steuern. „Wir können wiederholt den Blutfluss überprüfen und so feststellen, ob das Herz wieder optimal versorgt wird“, erklärt der Erlanger Kardiologe Professor Achenbach.