Nicht alle Arzneimittel sind für Schwangere tabu

Bevor Schwangere Medikamente nehmen, sollten sie ihre Ärztin um Rat fragen. (Foto: Dmitriy Melnikov / Fotolia)
Bevor Schwangere Medikamente nehmen, sollten sie ihre Ärztin um Rat fragen. (Foto: Dmitriy Melnikov / Fotolia)

Es gibt Medikamente, die auch werdende Mütter nehmen dürfen

(dbp/auh) Schwangere haben häufig Schnupfen – nicht nur in der Erkältungszeit. Der Schwangerschaftsschnupfen (Rhinopathia gravidarum) ist zwar nicht gefährlich, kann aber sehr belastend sein. Zwischen 20 und 30 Prozent der werdenden Mütter leiden darunter.

Das Problem: Die Dauerschniefnase behindert die Nasenatmung, trocknet die Schleimhäute aus und kann zu Schlafstörungen und einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung (Sinisitis) führen. Eine Sinusitis ist bei Schwangeren etwa sechsmal häufiger als bei nicht schwangeren Frauen. Die üblichen Arzneimittel wie Nasensprays und -tropfen mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin dürfen in der Schwangerschaft nur kurzzeitig (wenige Tage) angewendet werden. Doch ein Schwangerschaftsschnupfen verschwindet in der Regel erst, wenn auch die Schwangerschaft zu Ende ist.

Leichte Beschwerden ohne Medikamente lindern

Das heißt aber nicht, dass die Beschwerden nicht behandelt werden können. Nasenduschen, -tropfen oder -sprays mit physiologischer Kochsalzlösung können in leichten Fällen die Atmung verbessern. Auch Sprays oder Salben mit dem Wirkstoff Dexpanthenol sind unbedenklich. Manchmal helfen auch schon nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und das Anfeuchten der Raumluft. Auch Nasenpflaster aus der Apotheke können helfen. Sie heben die Nasenflügel an und effektivieren so die Atmung. Selbstverständlich sollte ausreichend Flüssigkeit getrunken werden. Viel Bewegung an der frischen Luft ist ebenfalls empfehlenswert.

Diese Tipps gelten auch bei einer „echten“ Erkältung, die übrigens nicht nur durch ihre kürzere Dauer von einem Schwangerschaftsschnupfen gut zu unterscheiden ist. Ein Erkältungsschnupfen kommt nämlich meist mit weiteren Begleitsymptomen wie Hals- und Gliederschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Husten oder leichtem Fieber daher. Viele Schwangere sind verunsichert, ob sie beispielsweise Schmerzmittel nehmen dürfen, wenn die Beschwerden zu stark werden. Einige Arzneistoffe können in den Blutkreislauf des Ungeborenen gelangen und dort unerwünschte Wirkung haben. Welche sind das und welche sind ungefährlich?

Es gibt auch unbedenkliche Arzneimittel

„Unsicherheit herrscht häufig auch bei Ärzten und Apothekern“, teilt die Techniker Krankenkasse (TK) mit und informiert über ein neues Angebot. Das „Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie“ (PVZ) an der Berliner Charité hat Informationen zu rund 1.500 Medikamenten zusammengestellt, nach denen Frauen, Ärzte und Apotheker besonders häufig fragen und die für Mutter und Kind möglicherweise bedenklich sind. Unter www.embryotox.de sind diese Hinweise zum Arzneimitteleinsatz in Schwangerschaft und Stillzeit abrufbar.

Dr. Christof Schaefer, ärztlicher Leiter des PVZ: „Vielfach wird angenommen, dass in der Schwangerschaft jedes Medikament ein Risiko darstellt. Dabei können wir für die meisten Fälle erprobte Präparate empfehlen, die nach heutigem Wissen keine Gefahr für das ungeborene Kind darstellen.“ Das gelte auch für Arzneimittel gegen Bluthochdruck oder Depressionen. Die Patientin müsse ihre Beschwerden daher nicht einfach „aushalten“. Unbehandelt könnten einige Erkrankungen sogar die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Wichtig: Die Datenbank Embryotox ersetzt auf keinen Fall den Arztbesuch. Werdende Mütter sollten Medikamente – auch freiverkäufliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel – grundsätzlich nur in Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden.