Neues Blut als letzte Rettung

Der 40.000. Stammzellspender der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) war Matthew Heath Voss aus Schleswig-Holstein im Dezember 2013.  (Foto: DKMS)
Der 40.000. Stammzellspender der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) war Matthew Heath Voss aus Schleswig-Holstein im Dezember 2013. (Foto: DKMS)

Bei einer Stammzelltransplantation geht es für den Empfänger um Leben und Tod

(dbp/auh) Lymphome und Leukämien sind Krebsarten, bei denen sich bösartige Zellen des blutbildenden Systems unkontrolliert vermehren. Mit Chemotherapie, Bestrahlung und zielgerichteten Medikamenten lassen sich einige dieser zahlreichen und sehr unterschiedlichen Erkrankungen kontrollieren. Wenn diese Behandlungen jedoch nicht anschlagen oder es zu einem Rückfall gekommen ist, kann als letzte Therapieoption eine Transplantation von Knochenmark- oder Blutstammzellen infrage kommen.

Es gibt grundsätzlich zwei Varianten der Transplantation, die autologe (Eigenspende) und die allogene (Fremdspende). Bei einer autologen Stammzelltransplantation werden dem Patienten eigene, gesunde Stammzellen übertragen, die ihm vor Behandlungsbeginn entnommen wurden. Für die allogene Transplantation wird zunächst in der Familie ein passender Spender gesucht – in etwa 70 Prozent der Fälle erfolglos. Deshalb sind Organisationen wie die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) oder die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) so wichtig. (Fast) jeder kann sich dort oder bei den 26 anderen deutschen Spenderdateien typisieren und registrieren lassen, wenn er zur einer Knochenmarkspende bereit ist. Alle Adressen sind beim Zentralen Knochenmarkspender-Register für Deutschland unter www.zkrd.de/de/adressen verzeichnet.

Die periphere Stammzellspende ist am häufigsten

Beim ZKRD werden alle Suchanfragen bearbeitet. Ist ein passender Spender gefunden, wird dieser benachrichtigt und zu verschiedenen medizinischen Untersuchungen gebeten. Für die eigentliche Spende gibt es zwei Methoden: In etwa 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus dem Blut entnommen (periphere Stammzellspende). Dazu muss der Spender an ein oder zwei Tagen jeweils für mehrere Stunden ins Krankenhaus. Für die Knochenmarkspende ist eine stationärer Klinikaufenthalt erforderlich. Unter Vollnarkose wird Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen.

Bevor die Stammzellen eines Spenders übertragen werden können, müssen beim Empfänger das gesamte Knochenmark und alle erkrankten Zellen mittels hoch dosierter Chemo- und Strahlentherapie zerstört werden. Auch das Immunsystem wird praktisch außer Gefecht gesetzt. Diese extrem belastende Prozedur heißt „Konditionierung“ und ist notwendig, damit die „neuen“ Zellen eine Chance haben, sich im Körper des Patienten anzusiedeln und dort die Blutbildung wieder in Gang zu setzen.

Heikle Phase für den Empfänger nach der Transplantation

Die ersten Tage und Wochen nach der Transplantation sind aus vielen Gründen eine sehr schwere Zeit für den Patienten. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie, die ausgeschaltete Immunabwehr und das daraus resultierende hohe Infektionsrisiko machen es eine intensive mehrwöchige Betreuung im Krankenhaus notwendig. Eine absolut keimfreie Umgebung ist erforderlich, das heißt: Isolation. Bis die neuen Stammzellen mit der Blutbildung beginnen können, dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen. Erst, wenn die Zahl der Immunzellen im Blut eine bestimmte Menge erreicht hat, darf die Isolation aufgehoben werden.

Eine stark erhöhte Infektionsgefahr besteht aber weiter, denn Immunsuppressiva müssen noch längere Zeit eingenommen werden. Auch, um das Auftreten der sogenannten Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit zu verhindern. Dabei greifen die vom Spender übertragenen Zellen den Körper des Patienten an.

Am häufigsten wird die Stammzelltransplantation bei Patienten mit „akuter myeloischer Leukämie“ (AML) angewendet. Sie ist mit 27 Prozent der Neuerkrankungen die zweithäufigste Form von Leukämie. An zweiter und dritter Stelle der Indikationen stehen das Myelodysplastische Syndrom (MDS) und das Non-Hodgkin-Lymphom.