Neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit

Ab 2017 gibt es keine Pflegestufen mehr, sondern neue Pflegegrade. Diese sollen die individuelle Situation des Patienten genauer berücksichtigen, wie z. B. dessen Mobilität. (Foto: Fotolia / drubig-photo)
Ab 2017 gibt es keine Pflegestufen mehr, sondern neue Pflegegrade. Diese sollen die individuelle Situation des Patienten genauer berücksichtigen, wie z. B. dessen Mobilität. (Foto: Fotolia / drubig-photo)

Nachgeforscht: Die Einteilung des Grades der Pflegebedürftigkeit wird neu definiert.

(dbp/abz) Ab 2017 treten weitere Neuerungen aus dem zweiten Teil der 2015 beschlossenen Pflegereform in Kraft. Seit Anfang 2016 gelten schon einige Neuregelungen in der Ersatz- und Kurzzeitpflege. Dies betrifft vor allem pflegende Angehörige, die kurzzeitig ausfallen. Neu ist z. B., dass die Pflegekassen in dieser Zeit das Pflegegeld hälftig weiterzahlen – bei der Ersatzpflege für bis zu 42 Tage, in der Kurzzeitpflege für 56 Tage.

Differenzierte zukünftige Ermittlung der Pflegebedürftigkeit

Die grundlegendste Änderung ist die neue Definition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit. Ab 2017 ist pflegebedürftig, wer Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder Funktionsstörungen in den folgenden sechs Bereichen (den sog. Modulen) aufweist:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Zur Ermittlung des Pflegegrades fließen nun Aspekte aus den verschiedenen Modulen mit Punktwerten bei unterschiedlicher Gewichtung der Module (ausgedrückt durch unterschiedliche Prozentsätze) in die Beurteilung ein. Punktwerte für Mobilität mit 10 Prozent, für kognitive, kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen mit 15 Prozent. Das Thema Selbstversorgung hat mit 40 Prozent den stärksten Einfluss auf den Pflegegrad, die Bewältigung und der Umgang mit der Therapie geht mit 20 Prozent in die Bewertung ein und das Thema Alltagsgestaltung mit weiteren 15 Prozent.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Der Begriff „Pflegegrad“ ersetzt ab 2017 den der „Pflegestufe“. Der Pflegegrad ergibt sich aus der Addition der in den verschiedenen Modulen ermittelten Punktwerte zu einem Gesamtpunktwert. So ergeben sich künftig folgende Pflegegrade:

Pflegegrad 1 (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkten): Entspricht geringer Beeinträchtigung der Selbständigkeit.

Pflegegrad 2 (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkten): Ergibt sich aus erheblichen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit.

Pflegegrad 3 (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten): Bedeutet schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit.

Pflegegrad 4 (ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkten): Bei schwerster Beeinträchtigung der Selbständigkeit.

Pflegegrad 5 (ab 90 bis 100 Gesamtpunkte): Wenn schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung vorliegen.

Umrechnung der bisherigen Pflegstufen in die neuen Pflegegrade

Bislang festgestellte Pflegestufen werden in die neuen Pflegegrade übergeleitet. Dabei gilt bei Menschen ohne eingeschränkte Alltagskompetenz: von Pflegestufe I in den Pflegegrad 2,  von Pflegestufe II in den Pflegegrad 3, von Pflegestufe III in den Pflegegrad 4 und von Pflegestufe III in den Pflegegrad 5, soweit die Voraussetzungen für einen Härtefall vorliegen.

Die Pflegestufen Pflegebedürftiger, deren Alltagskompetenz eingeschränkt ist, werden nach folgenden Regeln in die neuen Pflegegrade übergeleitet: Wenn bislang keine Pflegestufe vorlag, in den Pflegegrad 2, wenn bereits Pflegestufe I festgestellt war, gilt nun Pflegegrad 3, bei bisherigem Vorliegen der Pflegestufe II nun Pflegegrad 4 und wenn bislang Pflegestufe III mit oder ohne Härtefallanerkennung galt, ist nun Pflegegrad 5 gültig.

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