Neue Wege der Kommunikation bei Demenz

Sich mitteilen, einander zuhören, sich verstehen: Die Art der Kommunikation mit einem an Demenz erkrankten Angehörigen verändert sich. (Foto: Bilderbox)
Sich mitteilen, einander zuhören, sich verstehen: Die Art der Kommunikation mit einem an Demenz erkrankten Angehörigen verändert sich. (Foto: Bilderbox)

Logopäden unterstützen Demenzkranke und ihre Angehörigen bei der Verständigung.

(dbp/auh) Sprachtherapie bei Demenz? Dass Logopäden auch Patienten mit Demenzerkrankungen helfen können, ist noch zu wenig bekannt, findet Cordula Winterholler, Geschäftsführerin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl). Beim diesjährigen dbl-Kongress wies sie daher auf die Möglichkeiten der logopädischen Beratung und Therapie hin, die Demenzpatienten und ihre Angehörigen nutzen können.

Alzheimer ist nur eine von rund 50 verschiedenen Krankheiten, die man unter dem Oberbegriff Demenz zusammenfasst. Die Symptome sind unterschiedlich und nicht immer steht der Gedächtnisverlust im Vordergrund. Eine Demenzerkrankung, die sich anfangs und hauptsächlich durch Sprachstörungen bemerkbar macht, ist die Primär progrediente Aphasie (PPA). Betroffene Patienten sind häufig jünger als Patienten mit Alzheimer-Demenz und können durchaus noch im Berufsleben stehen, wenn sie die ersten Symptome, meist Wortfindungsstörungen, spüren.

Verlaufsdiagnostik gibt Aufschluss

„Auch bei gesunden Menschen treten mit zunehmendem Alter vermehrt Wortfindungsprobleme auf“, erklärt Dr. Ruth Nobis-Bosch, Aphasie-Expertin beim dbl. Dass einem die Namen von guten Bekannten oder Prominenten nicht immer einfallen, ist ganz normal, beruhigt die Lehr- und Forschungslogopädin.

Um herauszufinden, ob die Sprachstörungen tatsächlich Anzeichen für eine Demenzerkrankung sind, gibt es verschiedene Testverfahren, die von Fachärzten für Geriatrie, Neurologie oder von Logopäden für die Verlaufsdiagnostik angewendet werden. Der Patient wird also über einen längeren Zeitraum „beobachtet“. Dabei wird zum einen die Art der Sprachstörung ermittelt und zum anderen das ausgleichende Verhalten begutachtet. Wie gut kann der Patient die Wortfindungsstörung ausgleichen? Umschreibt er das Wort, das ihm gerade nicht einfällt oder wird er gänzlich sprachlos? Wer in der Suche nach dem richtigen Wort verharrt und aus dieser Sprachlosigkeit nicht mehr herausfindet, hat womöglich eine krankhafte Störung.

Verschiedene Formen der Unterstützung

„Bei jeder Demenzerkrankung in jedem Stadium können logopädische Therapien helfen, die Methoden und Ziele dabei sind verschieden“, sagt Dr. Nobis-Bosch. Im frühen Stadium der PPA zum Beispiel stehen störungsspezifische Übungen im Vordergrund, die unter anderem die Wortfindung trainieren. Gleichzeitig werden vorhandene Ressourcen wie beispielsweise das Lesen und Schreiben gefördert. Die Therapie hat das Ziel, die vorhandenen Sprachfunktionen möglichst lange zu erhalten.

Im mittleren und fortgeschrittenen Stadium, zum Beispiel bei der Alzheimererkrankung, geht es eher um das Finden neuer Wege, um eine Kommunikation weiterhin zu ermöglichen. Dazu können Tagebücher dienen oder beschriftete Fotoalben. „In Zukunft werden sicher Smartphone und Tabletcomputer hier Einzug halten“, prognostiziert die Fachfrau.

Zur logopädischen Unterstützung bei Demenz gehört die Angehörigenberatung ganz wesentlich dazu. Denn nur, wenn auch das Gegenüber sich auf das schwindende sprachliche Vermögen des Erkrankten einstellt, ist eine Verständigung weiterhin möglich. Der Angehörige muss eventuell seine Erwartung an eine funktionierende Kommunikation den Gegebenheiten anpassen. Dann kommt es auf beiden Seiten seltener zu Missverständnissen.

Ein Kommentar zu "Neue Wege der Kommunikation bei Demenz"

  1. Sabrina sagte am :

    So ein wichtiges Thema und viele betroffenen Familien wissen davon nichts oder haben die Hoffnung auf Verbesserung leider bereits aufgeben. Hier muss viel mehr Aufklärung betrieben werden. Danke für den Artikel. Grüße Sabrina

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