Neue Möglichkeit in der Schlaganfall-Behandlung

Plötzliche Schwäche, eine kurz andauernde Lähmung oder Gleichgewichtsstörungen, die über mehrere Minuten andauern, können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. (Foto: Picture-Factory / Fotolia)
Plötzliche Schwäche, eine kurz andauernde Lähmung oder Gleichgewichtsstörungen, die über mehrere Minuten andauern, können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. (Foto: Picture-Factory / Fotolia)

Patienten benötigen sofortige medizinische Betreuung.

(dbp/fru) Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Aber auch junge Menschen und sogar Kinder können von einem Schlaganfall betroffen sein. Hierzulande werden jährlich ca. 200.000 neue Schlaganfalldiagnosen gestellt. Jeder vierte Patient stirbt innerhalb eines Jahres an den Folgen. Nach Herzinfarkt und Krebs stellt der Schlaganfall somit die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Weltweit steht er mittlerweile sogar an zweiter Stelle.

Ausfälle sind typische Symptome

Oft kündigt sich ein Schlaganfall durch Warnzeichen an, wie beispielsweise eine kurz andauernde Lähmung, Schwäche bis hin zu Taubheit einer Körperhälfte, Sehstörungen oder    kurzzeitige Sprachstörungen und Gleichgewichtsstörungen. Solche Ausfälle sind typisch und treten im Vorfeld bei bis zu  40% aller Schlaganfall-Patienten auf. Sie beginnen immer plötzlich und können von einigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauern. In solchen Fällen muss der Patient unverzüglich in ärztliche Behandlung in ein Krankenhaus, am besten in eine so genannten „Stroke Unit“ – ein Zentrum, das auf akute Schlaganfälle spezialisiert ist. Hier arbeiten verschiedene Ärzte (hauptsächlich Neurologen, Angiologen und Kardiologen) sowie speziell ausgebildete Pflegekräfte fachübergreifend zum Wohle des Patienten zusammen.

Bis zum Eintreffen des Notarztes kann jedoch wertvolle Zeit vergehen. Wenn der Patient ansprechbar ist, sollten Ersthelfer versuchen, ihn in dieser Zeit zu beruhigen. Der Oberkörper des Patienten sollte hoch gelagert sein, damit er besser atmen kann. Hier ist es auch hilfreich, enge Kleidung wie etwa Kragen oder Krawatte zu öffnen. Wenn der Patient bewusstlos ist und keine Atmung bzw. kein Puls zu erkennen ist, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und einer Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden.

Neue Therapieoption bei akutem Schlaganfall

Die Ursache eines Schlaganfalls entscheidet über das weitere Vorgehen in der Therapie. Anhand von bildgebenden Verfahren, wie zum Beispiel Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann man herausfinden, ob ein Blutgerinnsel oder eine Hirnblutung den Schlaganfall ausgelöst haben. Auch Laboruntersuchungen des Bluts helfen, mehr über die Ursache zu erfahren.

Wenn ein Blutgerinnsel für den Schlaganfall verantwortlich war, kann man dieses mit einem neuen Verfahren schonend entfernen. Dafür wird von der Leiste aus ein Katheter bis an die Stelle des Gehirns vorgeschoben, wo das Blutgerinnsel die Arterie blockiert hat. Der Katheter durchbohrt den Thrombus und umschließt das Gerinnsel mit einem Stent wie ein Drahtkäfig. Anschließend kann es über einen Hohlkatheter abgesaugt werden. „Diese Behandlungsmethode, auch mechanische Thrombektomie genannt, wurde in den letzten Jahren so weit verfeinert, dass fast 90 Prozent der Gefäße wieder eröffnet werden können“, sagt Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Viele Kliniken, die bereits eine Stroke Unit besitzen, sind aktuell dabei, ihr Angebot um diese neue Therapieoption zu erweitern.