Neue Erkenntnisse zur Hormonersatztherapie

Hitzewallungen und Erschöpfungszustände sind einige der Symptome unter denen Frauen mit Wechseljahresbeschwerden leiden. (Foto: highwaystarz / Fotolia)
Hitzewallungen und Erschöpfungszustände sind einige der Symptome unter denen Frauen mit Wechseljahresbeschwerden leiden. (Foto: highwaystarz / Fotolia)

(dbp/fru) In den letzten Jahren wurde die Hormonersatztherapie (HET) bei Wechseljahresbeschwerden von Frauenärzten und anderen Experten kontrovers diskutiert.

Richtig eingesetzt, überwiegt der Nutzen sagen die einen, die anderen entgegnen, dass die Therapie im Verdacht stehe, das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen und Embolien deutlich zu erhöhen. Kritiker haben unter anderem auch die Ergebnisse der Women´s Health Initiative-Studie (WHI) mit rund 16.000 Studienteilnehmerinnen als Referenz für ihre Argumentation genutzt. Hunderttausende Frauen haben daraufhin die Behandlung abgebrochen oder verweigerten sie ganz.

WHI-Studie 15 Jahre fehlinterpretiert

Jetzt kam heraus: Die Studie wurde fast 15 Jahre lang falsch gedeutet. „Uns Frauenärzten ist es wichtig, über diese Fehlinterpretation aufzuklären und den Frauen die Angst vor der Hormonersatztherapie zu nehmen“, sagt Gynäkologe Dr. Jürgen Klinghammer, Vorstandsvorsitzender der Ärzteorganisation GenoGyn. „Inzwischen wissen wir, dass der gesundheitliche Nutzen dieser Behandlung die Risiken bei richtiger Anwendung deutlich übersteigt.“

Bei den Teilnehmerinnen der WHI-Studie handelte es sich vorwiegend um Frauen, welche die Wechseljahre bereits hinter sich hatten und teilweise weitere gesundheitliche Risikofaktoren aufwiesen. „Hinzu kommt, dass alle Patientinnen dasselbe Präparat mit derselben, nach heutigem Wissensstand viel zu hohen Dosierung verabreicht bekommen haben. Das war der Kardinalfehler der WHI-Studie“, erklärt Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin e.V. (GSAAM).  Auch er möchte Frauen die Angst vor der Hormonbehandlung nehmen. Aktuelle Studien zeigten sogar, dass zehntausende von Frauen unnötigerweise vorzeitig verstorben sind, weil sie auf eine Hormonersatztherapie verzichtet haben. Auf jeden Fall sei eine individuelle Beratung unabdingbar, um Chancen und Risiken für die Patientin abzuwägen.