Nestschutz und mehr – was die Grippeimpfung kann

Die STIKO empfiehlt Frauen, die während der Grippesaison schwanger sind, sich gegen Influenza impfen zu lassen. (Foto: Halfpoint / Fotolia)
Die STIKO empfiehlt Frauen, die während der Grippesaison schwanger sind, sich gegen Influenza impfen zu lassen. (Foto: Halfpoint / Fotolia)

Die meisten Schwangeren haben kein Vertrauen in die Influenza-Impfung

(dbp/auh) Seit vier Jahren wird die Impfung gegen die „echte Grippe“ (Influenza) ausdrücklich und offiziell auch für Schwangere empfohlen. Das hat sich aber offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Denn die „Impfmüdigkeit“ von Schwangeren liegt zu einem relativ großen Teil an der Unkenntnis dieser Vorgabe. Doch die meisten Schwangeren haben schlicht kein Vertrauen in die Grippe-Impfung. Sie fürchten Nebenwirkungen oder Wirkungslosigkeit.

Bei einer stichprobenhaften Befragung im Frühjahr 2013 kam heraus, dass in der zurückliegenden Grippesaison 23,2 Prozent der Schwangeren gegen die saisonale Influenza geimpft waren. 15,9 Prozent hatten sich während der Schwangerschaft impfen lassen. Die nicht-geimpften Frauen wurden nach ihren Gründen für die Impf-Abstinenz gefragt, wobei ihnen mehrere Antwortmöglichkeiten offenstanden. Die meisten (60,4 Prozent) sagten, dass sie kein Vertrauen in die Impfung haben. 40,3 Prozent waren der Meinung, dass sie und ihr Baby die Impfung nicht brauchen. 30,1 Prozent wussten nichts von der Impf-Empfehlung und 28,5 Prozent gaben sich als grundsätzliche Impfgegnerinnen zu erkennen. 18,7 Prozent sagten, ihnen sei von der Impfung abgeraten worden.

Totimpfstoffe sind sicher und verträglich

Was sagen Frauenärzte und Impf-Experten zu den beiden Hauptargumenten der Schwangeren? Zunächst zur Frage: Wie sicher sind die saisonalen Influenza-Impfstoffe? Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) erläuterte anlässlich der kommenden Grippe-Saison auf www.frauenaerzte-im-netz.de:

„Die Sicherheit der Impfstoffe wurde sowohl für Schwangere als auch für Ungeborene bestätigt. Es wurde keine erhöhte Zahl von schweren Reaktionen auf Grund einer Impfung festgestellt. Auch war weder die Anzahl der Frühgeburten oder Kaiserschnitte erhöht, noch gab es Unterschiede im Gesundheitszustand der Säuglinge nach der Geburt.“ Außerdem wies Dr. Albring darauf hin, dass es auch Impfstoffe ohne Zusatzstoffe gibt (Wirkverstärker, Konservierungsmittel). „Bisher gibt es zu keinem Grippeimpfstoff Hinweise auf eine Schädigung des Ungeborenen nach Anwendung in der Schwangerschaft – sie gelten als verträglich und sicher.“

Impfung in jedem Schwangerschaftsmonat möglich

Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffen für Erwachsene um Totimpfstoffe handelt, ist eine Impfung grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Warum empfiehlt die STIKO die Impfung dann erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel? Dazu hat das Robert-Koch-Institut deutlich Stellung genommen: Damit soll verhindert werden, dass die in der Frühschwangerschaft häufigen Fehlgeburten fälschlicherweise mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden und so „im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden“.

Impfung mindert Risiko für Mutter und Kind

Was ist mit dem zweiten Argument der nicht-geimpften Schwangeren? Ist denn eine Grippeimpfung wirklich nötig? Natürlich muss das jede Frau selbst entscheiden, aber sie sollte Folgendes wissen: Keine Impfung bietet hundertprozentigen Schutz. Allerdings weiß man, dass geimpfte Personen, die sich trotzdem eine Grippe „fangen“, nicht so schwer erkranken wie Ungeimpfte. Dazu das RKI: Schwangere haben bei einer Influenzainfektion ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Das hängt mit verschiedenen physiologischen und immunologischen Veränderungen zusammen, die im Körper der schwangeren Frau ablaufen.

Auch das Neugeborene profitiert in seinen ersten Lebensmonaten von der Impfung der Mutter, denn Influenzaimpfstoffe sind nicht für Kinder unter sechs Monaten zugelassen. Die Antikörper der Mutter werden auf das Ungeborene übertragen. „Nestschutz“ nennt man diesen Mechanismus.