Nesselsucht kann jeden treffen – jederzeit

Von der lateinischen Bezeichnung für Brennnessel hat die Urtikaria ihren Namen. (Foto: Bilderbox)
Von der lateinischen Bezeichnung für Brennnessel hat die Urtikaria ihren Namen. (Foto: Bilderbox)

Wenn rätselhafte Quaddeln plötzlich auftauchen und unerträglich jucken, ist es Urtikaria

(dbp/mhk) Nesselsucht oder Nesselfieber (Urtikaria) ist eine äußerst unangenehme Erkrankung. Ihr Name leitet sich vom Lateinischen für Brennnessel (urtica) ab, wegen des Aussehens der Hautreaktionen. Doch die Beschwerden sind kein Brennen, sondern ein Jucken. „Mitunter schlimmer als Schmerz“, erklärt Dr. med. Dipl.-Biol. Ulrich Klein aus Witten. „Die quälend juckenden Quaddeln am ganzen Körper oder an einzelnen Hautpartien können spontan aus heiterem Himmel auftreten und auch genauso schnell wieder verschwinden“, erklärt der Dermatologe, Allergologe und Umweltmediziner.

Höchstens zwölf Stunden am selben Ort

Die Quaddeln können auch in Schüben wiederkehren, manchmal begleitet von Fieber. Sie haben die Tendenz, über den ganzen Körper zu wandern, bleiben an einer Stelle zwischen 20 Minuten und 12 Stunden, und treten dann an anderer Stelle erneut auf. Teilweise fließen die Herde auch ineinander und bilden eine größere rote Fläche oder Streifen. Für den Gang in die Praxis empfiehlt der niedergelassene Hautarzt daher: „Kringeln Sie die Stellen mit einem Stift ein“. Halten sich die Quaddeln länger als zwölf Stunden am selben Ort, sei es keine Urtikaria.

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben diese rätselhafte Hauterkrankung schon einmal durchlebt. In Deutschland leiden rund eine Millionen Menschen darunter, davon haben 800.000 die chronische Form – mit teilweise jahrelangen Verläufen. Frauen sind durchweg häufiger betroffen. Treffen kann es jeden, gehäuft allerdings Allergiker, so Dr. Klein. Je nach Dauer, Krankheitsverlauf und Auslöser werden verschiedene Formen der Urtikaria unterschieden, akut oder chronisch.

Äußere Reize oder endogene Faktoren als Auslöser

Die Auslöser sind vielfältig, zum einen die physikalischen Urtikaria-Formen: Dazu gehören solche Erkrankungen, bei denen Symptome nur nach Kontakt mit bestimmten physikalischen Reizen auftreten, zum Beispiel Wärme, Kälte, Druck oder Vibration. „An Stellen, wo der Gürtel reibt, die Umhängetasche auf der Schulter liegt, die Wärmflasche am Körper angelegt wird, durch Kontakt mit eisiger Winterkälte oder eben da, wo der Latexhandschuh sitzt“, erklärt der Experte.

Für die endogene Form kommen als Ursachen in erster Linie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Intoleranzen (Überempfindlichkeiten) und Allergien infrage. Solche gegen Pollen, Tierhaare, Sellerie, Nüsse, Erdbeeren, Speiseöle, Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe, Arzneimittelwirkstoffe und das „China-Restaurant-Syndrom“. Oder auch eine Unverträglichkeit von körpereigenen Stoffen (Autoreaktivität), wenn sich der Körper selbst bekämpft. Häufige Auslöser sind auch Infekte, zum Beispiel der Nasennebenhöhlen, der Rachenmandeln, des Magen-Darm-Trakts oder im Zahn- und Mundbereich.

„Spannungsblasen der Seele“

Es sei sehr schwierig, den wahren Auslöser zu finden, so Dr. Klein. Zumal es sich auch um Kombinationen handeln könne. „Wir sprechen oft auch von Spannungsblasen der Seele“, sagt der Dermatologe. Nicht selten bleibt die Ursache unklar.

Ist der Auslöser bekannt, sollte er gemieden oder beseitigt werden. Darüber hinaus werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, je nachdem, ob es sich um eine akute oder eine chronische Urtikaria handelt: Neben Antihistaminika oder Leukotrien-Antagonisten, Anti-IgE (Omalizumab), Cyclosporin A (unterdrückt die Immunabwehr) oder Dapson (antibiotisch wirksamer Arzneistoff) steht in der Praxis von Dr. Klein der Wirkstoff Kortison im Vordergrund. Sein Tipp zur Selbsthilfe: „Kalt duschen sorgt für körpereigene Kortisonausschüttung.“

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