Nebulöser Dampf mit gesundheitlichen Risiken

Bei der Deutschen Bahn müssen auch Konsumenten von rauchfreien, elektrischen Zigaretten in die „Raucherecke“. (Foto: Bilderbox)
Bei der Deutschen Bahn müssen auch Konsumenten von rauchfreien, elektrischen Zigaretten in die „Raucherecke“. (Foto: Bilderbox)

Die elektrische Zigarette eignet sich nicht zur Rauchentwöhnung

(dbp/auh) Über kaum ein anderes Produkt wird in jüngster Zeit so heftig gestritten wie über die sogenannte elektrische Zigarette. Sie wird auch elektronische Zigarette oder schlicht E-Zigarette genannt. Im Unterschied zur herkömmlichen Zigarette enthält sie keinen Tabak, es entsteht also kein Rauch, sondern Dampf.

Verdampft wird eine aromatisierte Flüssigkeit (Liquid), wahlweise mit oder ohne Nikotin, die im Inneren eines optisch zigarettenähnlichen Gehäuses erhitzt wird. Durch Ziehen am Mundstück wird der Dampf eingeatmet.

Die Hersteller werben damit, dass der Konsum ihrer Produkte – sowohl für den Nutzer als auch für seine Umwelt ¬– wesentlich weniger gesundheitsbelastend sei als das Rauchen von Tabakzigaretten. Im Dampf einer E-Zigarette sei keiner der für die typischen Raucherkrankheiten Bronchitis, Lungenkrebs oder COPD verantwortlichen Stoffe nachweisbar. Welche weiteren, möglicherweise krebserregenden oder gefäßschädigenden Stoffe sich darin befinden, ist allerdings völlig unklar. Bekannt ist lediglich, dass der Dampf zu 90 Prozent aus Propylenglykol besteht, einer Kohlen-Wasserstoff-Verbindung, die als Trägerstoff oder Lösungsvermittler in der Lebensmittel- und Kosmetikherstellung verwendet wird. Ferner seien Glyzerin, Ethanol und Aromastoffe darin. Da diese Bestandteile als Lebensmittelzusatzstoffe von der EU zugelassen sind, könnten sie nicht gefährlich sein, meinen die Hersteller.

Gesundheitsexperten warnen vor dem Dampf

Das sehen aber alle Behörden und Institutionen in Deutschland, die sich mit Gesundheitsthemen befassen, ganz anders. Unisono schätzen sowohl die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) den Hauptbestandteil des E-Zigaretten-Dampfes, das Propylenglykol, als problematisch ein. Es sei zwar für Nahrungsmittel und Kosmetikprodukte zugelassen, aber über die Auswirkungen einer wiederholten, langfristigen Inhalation auf die Gesundheit lägen keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Die BZgA kritisiert auch, dass die Inhaltsstoffe der Liquids unzureichend deklariert werden: „Es wurde auch schon Nikotin in als nikotinfrei ausgezeichneten Kartuschen gefunden.“

Ob der Dampf nun gefährlich ist oder nicht – in einem sind sich Hersteller und Gesundheitsexperten einig: Elektrische Zigaretten eignen sich nicht zur Rauchentwöhnung. „Für einen auf Dauer erfolgreichen Rauchstopp ist eine Verhaltensänderung nötig, die mit dem Konsum von E-Zigaretten aber nicht erreicht wird“, erklärt Professorin Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA.

Ein weiteres Argument gegen die E-Zigarette als vermeintlich gesündere Alternative zum Tabakkonsum nennt das DKFZ: elektrische Zigaretten ahmen Tabakprodukte in verharmlosender Form nach und können dadurch das Rauchen als gesellschaftlich akzeptables Verhalten erscheinen lassen.

Zwar fällt die E-Zigarette wegen des fehlenden Tabaks nicht unter die Bestimmungen des Nichtraucherschutzgesetzes, aber es scheint nur eine Frage der Zeit, bis auch die rauchlosen Zigaretten einer gesetzlichen Regelung unterworfen werden. Bis dahin regelt das Hausrecht, ob gedampft werden darf oder nicht. Das bezieht sich sowohl auf den öffentlichen Raum als auch auf Arbeitsplatz und Gaststätte. Eindeutig Stellung bezogen haben beispielsweise Deutsche Bahn und Lufthansa. Dort ist weder Rauchen noch Dampfen erlaubt.

Weitere Informationen:

Die BZgA bietet unter www.bzga.de zahlreiche Formen der Unterstützung für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen:

  • Telefonische Beratung unter der Rufnummer 01805 / 31 31 31.
  • Individuelles Online-Ausstiegsprogramm mit täglicher E-Mail-Begleitung unter www.rauchfrei-info.de;
  • Gruppenkurs „Rauchfrei Programm“: In dem Kurs wird der Rauchstopp ausführlich vorbereitet. Außerdem werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei unterstützt, ihren Alltag langfristig rauchfrei zu gestalten. Termine und Orte der deutschlandweit angebotenen Kurse unter www.rauchfrei-programm.de.