Nebenwirkungen einfacher erkennen

Manche Medikamente sind für ältere Patienten nicht so gut geeignet wie für jüngere. (Foto: Andy Dean / Fotolia)
Manche Medikamente sind für ältere Patienten nicht so gut geeignet wie für jüngere. (Foto: Andy Dean / Fotolia)

Die Priscus-Liste informiert ältere Menschen über problematische Wirkstoffe in Medikamenten

(dbp/wgt) Gesund alt werden. Wer wünscht sich das nicht? Doch mit den Lebensjahren nehmen meist auch die gesundheitlichen Beschwerden zu. Chronische Krankheiten und Mehrfacherkrankungen gehören für die Mehrzahl der Senioren zum Alltag. Von den 70- bis 85-Jährigen leidet nach Angaben des Deutschen Alterssurveys mehr als die Hälfte an zwei bis vier Erkrankungen, jeder Fünfte unter den Befragten sogar an mehr als fünf.

Und so gehört für viele ältere Menschen der Griff zum Medikamenten-Cocktail zur täglichen Routine. In der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren nimmt laut Robert-Koch-Institut etwa jeder Zweite regelmäßig fünf und mehr Präparate ein. Doch im Alter reagiert der Organismus anders auf die Wirkstoffe als in jungen Jahren. Und damit steigt auch die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente. Zu den häufigsten zählen Schwindel, Stürze, Verwirrung, Verdauungsprobleme, Übelkeit, Schlafstörungen, Inkontinenz und Mundtrockenheit.

Arzneiwirkstoffe werden im Alter langsamer abgebaut

Denn im Alter verringert sich nicht nur die Leistungsfähigkeit der Nieren, über die viele Medikamente aus dem Körper ausgeschieden werden. Auch Nervenzellen reagieren bei alten Menschen wesentlich empfindlicher als bei jungen. Medikamente, die am Nervensystem oder am Gehirn ansetzen, können folglich leichter Nebenwirkungen verursachen als bei jungen Menschen. Weil auch Schwankungen des Blutdrucks im Alter nicht mehr so gut ausgeglichen werden können, kommt es durch die Einnahme kreislaufwirksamer Medikamente häufiger zu Schwindelanfällen und Stürzen.

Deshalb ist es für Senioren besonders wichtig, über die möglichen Nebenwirkungen ihrer Medikamente Bescheid zu wissen. Ausführliche Informationen dazu bietet die sogenannte Priscus-Liste. Sie wurde von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam erstellt und gibt Auskunft über insgesamt 83 Wirkstoffe, die für ältere Menschen ungeeignet sein können. Gleichzeitig bietet die Liste zahlreiche Hinweise zu therapeutischen Alternativen.

Medikamente auf Risiken überprüfen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Liste kürzlich in einer Broschüre veröffentlicht, die im Internet kostenlos heruntergeladen werden kann (www.bmbf.de). Die Publikation erläutert auf eine auch für Laien gut verständliche Weise den Umgang mit der Priscus-Liste und bietet interessierten Senioren damit die Möglichkeit, den eigenen Medikamentenvorrat auf Risiken hin zu überprüfen.

Eine Übersicht über die am häufigsten verschriebenen Medikamente gegen typische Altersleiden wie chronische Schmerzen und Entzündungen, Bluthochdruck und Herzerkrankungen, Depressionen oder Vergesslichkeit erleichtert dabei die Orientierung. Außer den jeweiligen Nebenwirkungen der einzelnen Arzneien lassen sich so auch die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten leicht erkennen.

Die Liste sollte, so die Verfasser der Broschüre, jedoch niemanden dazu verleiten, Medikamente selbst abzusetzen. Im Zweifelsfall ist es ratsam, mit dem Hausarzt über mögliche Alternativen zu den verordneten Arzneien zu sprechen.