Naturbelassener Kakao schützt das Herz

Unbehandelt steckt Kakao voller gesunder Inhaltsstoffe. (Foto: hiphoto39 / Fotolia)
Unbehandelt steckt Kakao voller gesunder Inhaltsstoffe. (Foto: hiphoto39 / Fotolia)

Bei der Schokoladen-Herstellung geht ein Großteil der gesunden Pflanzenstoffe verloren

(dbp/auh) Ist Schokolade gesund? Nein, auf diesen Nenner kann man die aktuellen Erkenntnisse nicht bringen. Sicher scheint aber zu sein, dass bestimmte Pflanzenstoffe, die unter anderem in Kakaobohnen stecken, einen blutdrucksenkenden Effekt haben. Sie werden meist Kakaoflavanole genannt, weil ihr Gehalt in Kakaobohnen viel höher ist als in anderen Pflanzen. Sie kommen aber auch in Weintrauben und Teeblättern vor.

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Kakaoflavanole (Catechin und Epicatechin) die Endothelfunktion verbessern. Das Endothel ist die Zellschicht, die die Blutgefäße innen auskleidet. Störungen der Endothelfunktion sind charakteristisch für eine vorzeitige Arterienverkalkung, die wiederum zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Von den beiden Flavanolen scheint Epicatechin das ernährungsphysiologisch wichtigere zu sein, es kommt also im Körper besser an.

Flavanole halten Blutgefäße jung

Der Gefäßschutz des Kakaos funktioniert vermutlich nicht nur vorbeugend, sondern kann sich offenbar auch bei bereits erkrankten Personen positiv auswirken. Das haben die Schweizer Kardiologen Dr. Isabella Sudano und Dr. Andreas Flammer im Jahr 2012 in einer Studie mit Herzinsuffizienz-Patienten nachgewiesen. Die flavanolreiche Schokolade habe die Endothelfunktion sogar auf längere Sicht verbessert, schreiben die Autoren in der Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin (5/2012).

Dass sich Kardiologen für Kakao interessieren, hat mit der Entdeckung eines Radiologen von der Harvard Medical School zu tun. Norman Hollenberg beobachtete Anfang der 1990er Jahre eine Bevölkerungsgruppe in Panama. Die Kuna, die auf einigen Panama vorgelagerten Inseln leben, bekommen auch im Alter keinen Bluthochdruck. Merkwürdig, hielt man doch den altersbedingten Anstieg des Blutdrucks für naturgegeben. Bei den Kuna war auch die Sterblichkeit in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich niedriger als bei den Festland-Panamaern. Und nicht nur das: Auch Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und Krebs waren selten. Mit Genetik hatte das nichts zu tun, denn Kuna-Angehörige, die nach Panama-City umzogen, hatten bald ähnliche kardiovaskuläre Probleme wie die alteingesessenen Städter.

Fünf Tassen bitteres Gebräu täglich

Was machen die Insel-Kuna, was andere Panamaer nicht machen? Treiben sie mehr Sport oder essen sie mehr Obst und Gemüse? Nein. Hollenberg fand heraus: Sie trinken mindestens fünf Tassen Kakao täglich, den sie selber herstellen. Und dieses Herstellungsverfahren bewahrt die Flavanole, von denen seit Hollenbergs Forschungen angenommen wird, dass sie für die erstaunliche Gesundheit der Kuna sorgen.

Dunkle Schokolade muss nicht gesünder sein

Flavanole bitter schmecken, werden sie in der Regel bei der Herstellung von Schokolade zerstört. Das Verfahren heißt „Dutching“, weil es von einem Holländer entwickelt wurde. Dabei wird der Kakao nicht nur geschmacklich optimiert (weniger sauer, weniger bitter), sondern er bekommt auch eine andere Konsistenz, wird besser löslich und erhält eine dunklere Farbe.

Deshalb, so Hollenberg, könne auch sehr dunkle Schokolade frei von Flavanolen sein. Sogar die Höhe des Kakaoanteils sage nichts über den Flavanolanteil der Schokolade aus. Man solle aufhören, über dunkle Schokolade oder Prozentangaben des Kakaoanteils zu sprechen und anfangen, den Flavanolgehalt zu diskutieren, forderte Hollenberg bereits im Jahr 2007 in der kardiologischen Fachzeitschrift Circulation. Dazu müssten die Schokoladenhersteller allerdings ihre Produkte mit dem Flavanolgehalt kennzeichnen.

Autor:

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4933143
Kategorie(n):
Schlagwort(e):
, , ,
Quellenangaben:
Isabella Sudano u. a.: „Herzschutz durch Kakaoflavanole“, in: Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin, 5/2012, S. 6ff; „Zur Schutzwirkung des Polyphenols Epicatechin auf Gefäßendothelzellen“, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, vorgelegt von Yvonne Steffen, Düsseldorf 2007; „Wie gesund ist Schokolade?“, in: Herzstiftung Heft Nr. 1 – 2005; „Kakao-Inhaltsstoffe reduzieren das Herz-Kreislaufrisiko“, PM der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 01.09.2014; Einfluss von Kakaoflavanolen auf das gealterte Gefäßsystem, PM der DGK vom 24.04.2014, Täglich viel Kakao hält Herz und Gefäße gesund - was man von den Kuna-Indianern lernen kann, Ärzte-Zeitung vom 29.05.2006, www.aerztezeitung.de; William J. Cromie: „Cocoa shows promise as next wonder drug", in: Harvard Gazette, 22.02.2007, http://news.harvard.edu/gazette/story/2007/02/cocoa-shows-promise-as-next-wonder-drug/; Norman K. Hollenberg und Naomi D.L. Fisher: „Is It the Dark in Dark Chocolate?“, in: Circulation. 2007; 116: 2360-2362 doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.107.738070; alle Informationen abgerufen im Oktober 2014