Natürlich heißt nicht harmlos

Die Wirkstoffe vieler Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs. (Foto: fotoknips / Fotolia)
Die Wirkstoffe vieler Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs. (Foto: fotoknips / Fotolia)

Dem sanften Image zum Trotz: Auch pflanzliche Arzneimittel haben es in sich

(dbp/auh) Die Pflanzenheilkunde gehört streng genommen nicht zu den alternativmedizinischen Behandlungsformen. Sie ist Teil der naturwissenschaftlich orientierten Schulmedizin. Viele pharmaindustriell hergestellte Arzneimittel basieren auf pflanzlichen Wirkstoffen, die mittels chemischer Verfahren herausgelöst (extrahiert) werden.

Beispiele für hochwirksame Medikamente natürlichen Ursprungs: das Herzmedikament Digitalis aus dem hübschen Fingerhut, das Atropin (zur Pupillenerweiterung bei der augenärztlichen Untersuchung aber auch in der kardiologischen Notfallmedizin) aus vielen schönen Nachtschattengewächsen und das Morphium aus dem Schlafmohn.

In der „richtigen“ Dosierung sind alle diese Wirkstoffe tödlich. Das wissen nicht nur Krimifans – man denke nur an Strychnin. Trotzdem hält sich hartnäckig die Auffassung, die Wirkung pflanzlicher Arzneien sei prinzipiell sanfter und besser verträglich als die von synthetischen Pharmazeutika. Im Einzelfall mag das zutreffen, als grundsätzliche Aussage stimmt das nicht.

Selbstmedikation ist nicht ungefährlich

Das sollte jeder wissen, der seine Beschwerden mit der Kraft der Natur bekämpfen will: Auch pflanzliche Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Darüber hinaus müssen Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten und Nahrungsmitteln beachtet werden.

Johanniskraut zum Beispiel wird als Stimmungsaufheller eingesetzt und ist rezeptfrei erhältlich. Es kann aber die Wirkung bestimmter Medikamente (u. a. Antidepressiva, Cholesterinsenker, Herzmittel) ganz erheblich beeinflussen, zum Teil sogar aufheben. Bei manchen Menschen erhöht Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut, was zu vorschnellem Sonnenbrand führen kann. Generell gilt: Wer ärztlich verordnete Medikamente einnimmt, sollte immer seinen Arzt fragen, bevor er zusätzliche Präparate (auch Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel) nimmt. Und: Hoch dosierte Pflanzenextrakte sollten nur von erfahrenen Therapeuten verordnet werden.

„Phytotherapeut“ darf sich jeder nennen

Doch wie findet man Experten für Phytotherapie? Viele Heilpraktiker und Ärzte mit dem Zusatztitel „Naturheilverfahren“ kennen sich mit der Heilkraft der Pflanzen aus. Nach Angaben der Gesellschaft für Phytotherapie dürfen auch nur Angehörige dieser beiden Berufsgruppen die Phytotherapie berufsmäßig anwenden. Die Berufsbezeichnung „Phytotherapeut“ ist in Deutschland aber nicht gesetzlich geregelt. So nennen darf sich folglich eigentlich jeder. Relativ sicher gehen kann man bei TCM-Ärzten, denn in der Traditionellen Chinesischen Medizin sind etwa 85 Prozent der Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs.

Zum Einsatz kommen alle Bestandteile der Pflanzen, also Blüten, Blätter, Wurzeln, Stängel und Rinde. Für die innerliche Anwendung gibt es zumeist Tees, Medizinalwein, Kräutersäfte, Tropfen oder Dragees, für die äußerliche Anwendung Salben, Ölauszüge, Tinkturen und Badezusätze.