Nadelstiche gegen den Schmerz im Kreuz

Bei einer Akupunktur-Sitzung verbleiben die Nadeln zwischen 10 und 30 Minuten in der Haut, damit sich die Wirkung entfalten kann. (Foto: Fotolia / Andrey Popov)
Bei einer Akupunktur-Sitzung verbleiben die Nadeln zwischen 10 und 30 Minuten in der Haut, damit sich die Wirkung entfalten kann. (Foto: Fotolia / Andrey Popov)

Akupunktur ist eine effektive Behandlungsmethode bei Rückenschmerzen.

(dbp/spo/fru) Nadelstiche als Therapie gegen Schmerzen? Klingt erstmal widersprüchlich, ist aber sogar wissenschaftlich erwiesen: Akupunktur kann helfen, verschiedene Arten von chronischen Schmerzen zu lindern. Dazu gehören auch Rückenschmerzen. Das erkennen mittlerweile auch die Gesetzlichen Krankenkassen an und erstatten die Behandlungskosten für bestimmte Indikationen: „Seit 2007 ist die Akupunktur als Regelleistung der Gesetzlichen Krankenkassen bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zugelassen“, teilt die Deutsche Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie auf ihren Internetseiten mit.

Nebenwirkungsarme und effektive Methode

Die Therapiemethode, die ihre Ursprünge in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat, ist nebenwirkungsarm und muss sich in Sachen Effektivität nicht hinter den konventionellen Methoden der Schmerztherapie verstecken. Besonders bei chronischen Schmerzen an der Halswirbelsäule, im Rücken und in den Schultern kann die Akupunktur deutliche Linderung herbeiführen. „Wirksamkeit heißt aber nicht Heilung“, betont PD Dr. med. Dominik Irnich, Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Campus Innenstadt und Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur. Denn bei jedem Patienten könne die Methode anders wirken – eine Vorhersage über den Nutzen lasse sich daher vor der Behandlung nicht eindeutig treffen. Häufig hält der Effekt laut Dr. Irnich einige Monate an, bei manchen Patienten auch länger. Das kommt auf die Schmerzursache an.

Bei aller Begeisterung über die Effektivität muss man jedoch relativieren: Akupunktur sei sicher kein Allheilmittel, sagt der Schmerzexperte. Schließlich spielen bei Schmerzpatienten eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle – angefangen bei körperlichen und psychischen Aspekten bis hin zu den Lebensumständen, dem persönlichen Umgang mit dem Schmerz und dem sozialen Umfeld. So sei z. B. der Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und einer Unzufriedenheit im Job erwiesen. Und gerade weil die Ursache für chronische Schmerzen so vielfältig sei, könne die Akupunktur auch nur ein Teil der Therapie sein. Der Rest sollte ein individuell passender Mix aus Medikamenten, Physiotherapie, Entspannungs- und weiteren Methoden sein.

Ausbildung des Behandlers entscheidend

Dr. Irnich empfiehlt gerade Schmerzpatienten mit komplizierteren Erkrankungen, sich nur an ausgewiesene Akupunktur-Experten zu wenden. Die Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ sei das Mindeste, was ein Behandler in solchen Fällen haben sollte, empfiehlt der Fachmann. Darüber hinaus gäbe es auch weitere Ausbildungsnachweise, wie z. B. verschiedene Diplome.

Eine Akupunktursitzung kostet zwischen 30 und 70 Euro, erklärt die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur auf ihren Internetseiten. Um eine Wirkung zu erzielen, ist eine Serie mit acht bis zwölf Sitzungen nötig (bei akuten Schmerzen reichen teils drei bis fünf). Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen bei chronischen Rückenschmerzen i.d.R. eine Serie im Abstand von zwei Jahren.