Nadeln können Schmerzen ausstechen

Die Therapiekosten für eine Akupunkturbehandlung bei chronischen Rückenschmerzen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. (Foto: Fotolia / Monet)
Die Therapiekosten für eine Akupunkturbehandlung bei chronischen Rückenschmerzen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. (Foto: Fotolia / Monet)

Akupunktur ist eine wirksame Methode für chronische Schmerzpatienten.

(dbp/abz) Feuer mit Feuer bekämpfen – auf diese Analogie könnte man kommen, wenn man hört, dass das Stechen von Nadeln in die Haut gegen Schmerzen helfen soll.  Und genau so ist es: Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist längst auch in der deutschen Schulmedizin angekommen. Die Akupunktur als eine der bekanntesten Verfahren der uralten fernöstlichen Heilkunst kann helfen, verschiedene Arten von chronischen Schmerzen zu lindern.

Während viele TCM-Methoden als begleitende und ergänzende Behandlungsformen der westlichen Medizin angesehen werden, ist die Akupunktur in der Schmerzmedizin bereits eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn nicht jede Schmerzambulanz mit chinesischen Heilkräutern, Tuina-Massagen oder Bioresonanzmagnet arbeitet – Akupressur und Akupunktur gehören sicher zum Angebot im Rahmen des therapeutischen Gesamtkonzeptes.

Die meisten Patienten sprechen darauf an

Die Akupunktur gilt als effektiv und nebenwirkungsarm in der Schmerzbehandlung. Nach Angaben der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DGÄfA) lassen sich besonders Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen, aber auch Fibromyalgie, Tumor- und Kieferschmerzen mit Akupunktur therapieren. Rund 90 Prozent der Patienten sprechen auf die Behandlung an.

Beispiel Kopfschmerzen: Diese treten in buchstäblich unzähligen Varianten auf: Migräneattacken, Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerzen sind die häufigsten Formen. Bevor der Akupunkteur mit der Behandlung beginnt, wird er durch intensive Befragung und Untersuchung des Patienten ermitteln, um welche Kopfschmerzform es sich handelt. In der Regel wird der Patient aufgefordert, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Auch zusätzliche Untersuchungen können nötig sein, um sekundäre Kopfschmerzen auszuschließen, also solche, die „nur“ Symptom einer bisher nicht diagnostizierten Krankheit sind. Bei Migräne besteht eine über 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich die Frequenz der Schmerzattacken durch die Akupunktur reduzieren lässt.

Auch Rücken- und Gelenkschmerzen sind mit Akupunktur sehr gut behandelbar. Allerdings: Wirksamkeit heißt nicht Heilung, sondern deutliche Linderung. Gerade bei Rückenschmerzen sind Ursachen und Schweregrad sehr vielfältig, auch psychische und soziale Faktoren spielen eine große Rolle.

Die Krankenkassen zahlen nur bei ausgewählten Indikationen

Eine Behandlungseinheit dauert in der Regel rund 30 Minuten. Bei chronischen Schmerzen sind 10 bis 15 Sitzungen nötig. Meist wird zwei- bis dreimal in der Woche therapiert und eine Akupunktursitzung kostet zwischen 30 und 70 Euro.

Eine große Studie im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen (GERAC-Studie) hat der Akupunkturbehandlung bei chronischen Rückenschmerzen bescheinigt, dass sie der Standardtherapie sogar überlegen ist. Die Studie, die im Jahr 2006 publiziert wurde, kam zum selben Ergebnis bei chronischen Schmerzen durch Kniegelenksarthrose. Seitdem übernehmen die gesetzlichen Kassen die Therapiekosten für Akupunktur bei diesen beiden Indikationen, nicht jedoch bei Migräne.

Auf der Internetseite der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur www.daegfa.de finden Interessierte ein Verzeichnis mit Akupunktur-Ärzten. Die Anwendung der Akupunktur ist auch Heilpraktikern erlaubt. Die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin bietet auf ihren Seiten unter www.agtcm.de ebenfalls eine Therapeuten-Suchfunktion an.