Nachtblindheit und Gesichtsfeldverengung

Bei einer Retinitis pigmentosa sterben die Netzhautzellen allmählich ab. So entstehen Ausfälle im Gesichtsfeld bis nur ein kleiner Sehrest im Zentrum übrig bleibt (Tunnelblick / Röhrengesichtsfeld). (Foto: BVA / augeninfo.de)
Bei einer Retinitis pigmentosa sterben die Netzhautzellen allmählich ab. So entstehen Ausfälle im Gesichtsfeld bis nur ein kleiner Sehrest im Zentrum übrig bleibt (Tunnelblick / Röhrengesichtsfeld). (Foto: BVA / augeninfo.de)

Eine Retinitis pigmentosa verläuft schleichend und schubweise.

(iwg/fru) Erbliche Augenerkrankungen, die durch ein verändertes Gen entstehen und in deren Verlauf die Zellen der Netzhaut (Retina) absterben, werden unter dem Fachbegriff „Retinitis pigmentosa“ zusammengefasst. Laut der Aktion „Woche des Sehens“ der Christoffel-Blindenmission Deutschland entstehen dabei Symptome wie Nachtblindheit, eine Verringerung der Sehschärfe und allmählich fortschreitende Gesichtsfeldeinschränkungen, bis nur noch ein kleiner Rest zentrales Sehvermögen übrigbleibt. Man spricht daher vom „Tunnelblick“ oder „Röhrengesichtsfeld“. Eine Orientierung in fremder Umgebung ist nicht mehr möglich. Es bleibt aber zumindest die Fähigkeit zu lesen noch einige Zeit erhalten.

Verlauf lässt sich nicht stoppen

Diese erbliche Augenerkrankung ist zurzeit trotz intensiver Forschung nicht heilbar und deshalb eine der häufigsten Ursachen des Sehverlustes im mittleren Erwachsenenalter. In Deutschland leiden laut der Organisation PRO RETINA Deutschland etwa 30 000 bis 40 000 Menschen an der Krankheit. „Der gesamte Prozess verläuft schleichend bzw. schubweise und erstreckt sich meistens über Jahrzehnte hinweg“, erklärt die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen. Allerdings sind laut Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) nicht alle Formen der Erkrankung gleich: „Es gibt auch einige Formen mit günstigerem Verlauf, die nicht zwingend zum Gesichtsfeldverfall führen.“ Experten schätzen, dass bei jedem 80. Menschen ein „ungünstig“ verändertes Retinitis pigmentosa-Gen vorkommt, was die Entwicklung der Netzhautkrankheit bei Gen-Trägern oder ihren Nachkommen auslösen kann. Somit ist auch eine genetische Beratung hinsichtlich des Vererbungsrisikos möglich.

Die Molekulargenetik ist gleichzeitig auch eine große Hoffnung für die zukünftige Therapie. Ziel ist es, die Veränderungen im Erbmaterial aufzuspüren, die solche Krankheiten verursachen und somit einen Therapieansatz zu entwickeln. Andere Forschungsprojekte beschäftigen sich beispielsweise mit der Entwicklung von Netzhaut-Chips, mit denen einige Probanden in klinischen Studien zumindest kurzzeitig Hell-Dunkel-Wahrnehmungen erlebten und sogar schemenhafte Umrisse erkennen konnten, erklärt die Christoffel-Blindenmission Deutschland.

Früherkennung möglich

Die wichtigste Methode zur frühen Erkennung der Retinitis pigmentosa ist die Elektroretinografie (ERG), erklärt der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN). „Dabei wird das Gesichtsfeld, die Sehschärfe, der Farbsinn und die Dunkelanpassung geprüft. Daneben wird die Netzhautstromkurve gemessen sowie der Augenhintergrund gespiegelt“, so der BVN weiter.

Ist jemand an Retinitis pigmentosa erkrankt, wird in der Regel versucht, den Zelltod zu verhindern oder zu verlangsamen, indem eine schützende und stimulierende Wirkung auf die Zellschichten der Netzhaut erzielt werden soll. Laut Christoffel-Blindenmission Deutschland werden dabei durchblutungsfördernde und gefäßerweiternde Medikamente sowie biogene Stimulatoren (Frischzellen, Placenta-Implantationen) eingesetzt. Auch Injektionen eines Transferfaktors, Sauerstoff- und Eigenblutbehandlung sowie Akupunktur und Elektrostimulation wurden erprobt. Ansonsten sind an Retinitis pigmentosa erkrankte Menschen meistens auf elektronische Sehhilfen angewiesen, wie Sprachcomputer und die zusätzliche Braille-Tastatur am PC.