Mutterglück nach Plan dank „social freezing“

Frauen warten oft lange auf den perfekten Zeitpunkt für die Verwirklichung ihres Kinderwunsches. (Foto: lassedesignen / Fotolia)
Frauen warten oft lange auf den perfekten Zeitpunkt für die Verwirklichung ihres Kinderwunsches. (Foto: lassedesignen / Fotolia)

Das Einfrieren von Eizellen in jungen Jahren ermöglicht eine spätere Schwangerschaft

(dbp/auh) Der Begriff „social freezing“ bezeichnet das Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinischen, sondern aus „sozialen“ Gründen. Mithilfe der sogenannten Vitrifikation, das ist eine Schockgefrier-Methode, werden unbefruchtete Eizellen konserviert und so lange „auf Eis gelegt“, bis die Frau schwanger werden möchte.

In Deutschland führen zahlreiche Kinderwunschzentren und Kliniken für Reproduktionsmedizin diese Kryokonservierungen durch. Auf der Internetseite des Netzwerks „FertiPROTEKT“ (www.fertiprotekt.de) finden Interessierte die Adressen.

Hormonelle Stimulation

Und so läuft das „social freezing“ ab: Die Frau, die ihre Eizellen einfrieren lassen möchte, muss sich mithilfe von Spritzen oder Tabletten über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen hormonell „stimulieren“. Die Gewinnung der Eizellen erfolgt ambulant, aber unter Narkose. Über die Scheide werden die reifen Eizellen aus den Eierstöcken entnommen und eingefroren. Um die erforderliche Zahl an Eizellen zu gewinnen (mindestens 10 bis 15), sind in der Regel mehrere Behandlungszyklen notwendig.

Überleben im Eis

Durch die Kryokonservierung wird das Altern der Eizellen gestoppt. Auch eine lange Lagerzeit (in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad) beeinflusst ihre Qualität nicht. Ein fehlerloses Einfrieren und Auftauen vorausgesetzt, überstehen etwa 90 Prozent der Eizellen diese Prozedur unbeschadet.

Ist der Zeitpunkt fürs Wunschkind gekommen, erfolgt eine künstliche Befruchtung nach der sogenannten ICSI-Methode (intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Die Chance, auf diese Weise schwanger zu werden, ist genau so groß wie bei der Verwendung nicht-eingefrorener Eizellen.

„Social freezing“ am besten so früh wie möglich

Ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung haben Frauen, die zum Zeitpunkt der Eizellgewinnung jünger als 30 Jahre alt sind. Die Realität sieht aber anders aus: Das Durchschnittsalter liegt bei 38 Jahren. Das sehen viele Mediziner kritisch. Der Grund: „Jenseits des 35. Lebensjahrs sinken die Erfolgsaussichten drastisch“, so die frauenärztliche Genossenschaft GenoGyn.

Je älter die Frau, desto mehr Eizellen werden benötigt, „damit die Chance auf eine glückliche Schwangerschaft realistisch bleibt“, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). In ihrer Stellungnahme weist die DGGG außerdem auf die Risiken einer späten Schwangerschaft hin: Wenn die Eizellen jenseits des 45. bis 50. Lebensjahres befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingesetzt werden, sinke die Chance, dass die Schwangerschaft ohne Komplikationen mit der Geburt eines gesunden Kindes endet: „Das Risiko für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck der Mutter steigt – auch ohne künstliche Befruchtung – mit zunehmendem Alter.“

„Social freezing“ ist also kein Weg, die biologische Uhr anzuhalten. Frauen über 35 Jahre sollten keine zu hohen Erwartungen an die Reproduktionsmedizin haben. Um die Chancen und Risiken realistisch einschätzen zu können, ist ein ausführliches Beratungs- und Informationsgespräch mit dem Gynäkologen erforderlich und ein Bluttest, der den Status des Anti-Müller-Hormons ermittelt. Das Hormon gibt Aufschluss darüber, ob es überhaupt möglich sein wird, die erforderliche Zahl an Eizellen für die Kryokonservierung zu gewinnen.