Muskeln: Das Medizinschränkchen im eigenen Körper

Muskeln müssen brennen, nur dann ist das Training effektiv. (Foto: contrastwerkstatt/Fotolia)
Muskeln müssen brennen, nur dann ist das Training effektiv. (Foto: contrastwerkstatt/Fotolia)

Muskeln sind die besten Verbündeten im Kampf gegen Stoffwechselkrankheiten.

(dbp/auh) Die Muskulatur ist das wichtigste Organ des menschlichen Stoffwechsels. Ein trainierter Muskel produziert Botenstoffe, die den ganzen Körper positiv beeinflussen. Ging man früher davon aus, dass die Muskeln lediglich „Befehle“ des Gehirns ausführen, so weiß man heute, dass umgekehrt Muskelarbeit sogar die Gehirnfunktion regulieren kann.

„Wir haben den Muskel jahrelang falsch betrachtet“, erklärt Professor Dr. Ingo Froböse, Leiter des „Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung“ an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Das Umdenken in der Wissenschaft begann, als immer mehr Details über die Bedeutung der Muskelarbeit für den Fett- und Zuckerstoffwechsel und das Hormonsystem bekannt wurden. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückten hormonähnliche Botenstoffe, die zum Beispiel Entzündungen stoppen und die Immunabwehr regulieren. Von einigen dieser Stoffe war zwar ihre Existenz und ihre Funktion bekannt, aber, so Professor Froböse: „Wir wussten nicht, wo sie herkommen.“ Dass sie in der arbeitenden Muskelzelle ausgeschüttet werden, fand die dänische Immunologin Professorin Dr. Bente Klarlund Pedersen heraus und gab ihnen den Namen Myokine.

Aktive Muskeln sind Gesundmacher

Erst seit dieser Entdeckung lässt sich wissenschaftlich erklären, warum Sport und insbesondere Muskeltraining für die Vorbeugung und sogar in der Therapie von Stoffwechselkrankheiten so wirksam ist. Einer der Botenstoffe, dessen Produktion bei Muskelarbeit um das Hundertfache steigt (Interleukin-6), sorgt beispielsweise für eine bessere Insulinsensibilität und entlastet somit die Bauchspeicheldrüse. Krafttraining beugt also Diabetes vor. Andere Myokine können das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Eine mögliche Erklärung dafür, warum Sport das Krebsrisiko senkt.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein, aber auf den Punkt gebracht heißt das: Jeder gesunde Mensch hat die Medizin, die er braucht, um gesund zu bleiben, in seinem Körper. Er kann sie einnehmen oder nicht. Er kann sogar die Dosis selbst bestimmen. Und es ist nie zu spät, den Medizinschrank zu öffnen. Auch im hohen Alter ist Muskeltraining wirksam.

Die Muskeln müssen brennen

Laut Professor Froböse genügt das eigene Körpergewicht für ein effektives Training. Hanteln oder Fitness-Geräte sind nicht unbedingt erforderlich. Allerdings: „Die Muskulatur muss energetisch ausbelastet sein“ – sprich: die Muskeln müssen brennen; nach der letzten Wiederholung sollte man tatsächlich völlig „fertig“ sein. Bei dieser Trainingsform genügen fünf Trainingseinheiten in der Woche, die jeweils fünf bis zehn Minuten dauern.

Auch die Ausdauer muss trainiert werden. Ganz gleich, ob man auf dem Crosstrainer steht, in der Natur joggt oder Rad fährt: Trainingseinheiten unter zehn Minuten sind für die Katz.

Natürlich spielt auch die Ernährung eine Rolle, wenn es um den Stoffwechsel geht. Die Empfehlungen von Professor Froböse sind eindeutig und leicht umzusetzen: Morgens Energie tanken mit Kohlenhydraten und Fetten, mittags vitalstoffreich essen und abends eiweißreiche Gerichte bevorzugen. Keine Zwischenmahlzeiten. Warum? „Insulinresistenz entsteht, wenn ständig gefuttert wird. Machen Sie vier bis fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten“, rät der Experte. Das gibt den Zellen Zeit zum Durchatmen und hält den Stoffwechsel gesund.