Mundhygiene ist immer und überall wichtig

Wenn man es selbst nicht mehr schafft, kann das Pflegepersonal einem bei der Mundhygiene helfen. (Foto: © proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)
Wenn man es selbst nicht mehr schafft, kann das Pflegepersonal einem bei der Mundhygiene helfen. (Foto: © proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)

Einfach um Hilfe bitten, wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, seine Dritten zu pflegen.

(dbp/fru) Irgendwann ist es soweit – ab einem gewissen Alter sind die Dritten nicht mehr unumgänglich. Egal, ob es dann der herausnehmbare oder festsitzende Zahnersatz ist, man sollte seine Dritten genauso pflegen, wie vorher seine echten Zähne. Das ist aber oft nicht so einfach, insbesondere wenn man z. B. im Krankenhaus oder Heim nicht mehr mobil oder allgemein pflegebedürftig ist.

Jeder zwölfte Einwohner ist hierzulande  von einer schweren Behinderung betroffen und über die Hälfte dieser Menschen ist über 65 Jahre alt. Hinzu kommen über zwei Millionen Pflegebedürftige und mehr als eine Million Demenzkranke. Die Bewegungsfähigkeit dieser Menschen ist sehr stark eingeschränkt, sodass selbstständige Mundhygiene meist nicht mehr möglich ist und die Betroffenen auf Hilfe von Angehörigen und Pflegepersonal angewiesen sind. Eine gründliche Mundhygiene ist jedoch enorm wichtig, denn sie verhindert den Verlust von evt. noch vorhandenen Zähnen und beugt Folgekrankheiten vor.

Hygiene sollte einem nicht peinlich sein

Gerade in Krankenhäusern mit Mehrbettzimmern scheuen sich die Menschen ihren Zahnersatz selbst zu reinigen oder dabei um Hilfe zu bitten, weil es ihnen gegenüber dem Zimmernachbarn oder dem Pflegepersonal oft peinlich ist. Deshalb muss vor allem den bettlägerigen Patienten geholfen werden und denen, die es manuell einfach nicht mehr schaffen,  wie z. B. Patienten mit Arm- und Handbrüchen.

Zwar fällt es nicht in den originären Aufgabenbereich des Pflegepersonals, Zähne und Prothesen zu putzen, man sollte jedoch den Mut aufbringen, freundlich darum zu bitten. Denn schließlich kann man so z. B. auch unangenehme Gerüche für die Pflegenden vermeiden. Viele Krankenhäuser stellen übrigens Einweghandschuhe, Mundspüllösungen, Bürsten usw. zur Verfügung, auf einigen Stationen sind sogar Ultraschall-Reinigungsgeräte vorhanden. Selbstverständlich kann auch der Familienbesuch bei der Mundhygiene behilflich sein.

Modellprojekt deckt Hygienemängel auf

Aber auch bei Menschen, die in Senioreneinrichtungen leben, wird zumindest die Pflege ihres Zahnersatzes vernachlässigt. Darauf deutet ein Modellprojekt von Berliner Zahnärzten und Zahntechnikern hin, in dessen Rahmen etwa 300 Vollprothesen von Pflegebedürftigen auf Hygienemängel geprüft und anschließend professionell gereinigt wurden. Die Bilanz war ernüchternd: Nur jede vierte Prothese war frei von Zahnstein. „Dabei können Beläge und Zahnstein zu Entzündungen der Mundschleimhaut führen. Außerdem bilden sie die ideale Grundlage für die Anhaftung mundschädlicher Bakterien“, so Zahntechnikermeister Thomas Lüttke von der Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg, welche das Modellprojekt „Gesunde Dritte in der Pflege“ zusammen mit der Zahnärztekammer Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin e.V. ins Leben gerufen hat.

„Es ist daher erstrebenswert, dass alle Pflegebedürftigen Zugang zu Vorsorgemaßnahmen haben, nicht nur die wenigen Teilnehmer eines Modellprojektes“, so Lüttke. Die Initiatoren schlagen deshalb vor, Professionelle Mundhygiene und Zahnersatz-Pflege in das Leistungsangebot für Pflegebedürftige aufzunehmen genauso wie professionell durchgeführte Prothesenreinigungen. Solche Präventionsmaßnahmen werden aktuell weitgehend auf ehrenamtlicher Basis angeboten.