Mücken jagen im Dienst der Wissenschaft

Die asiatische Buschmücke beim Blutsaugen (Foto: James Gathany / CDC)
Die asiatische Buschmücke beim Blutsaugen (Foto: James Gathany / CDC)

Die Aktion „Deutschland kartiert die Stechmücken“ geht ins zweite Jahr

(dbp/auh) Die asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) fühlt sich am Rhein zu Hause. Sie hat sich auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratkilometern zwischen Köln und Koblenz niedergelassen und verdrängt dort die einheimischen Mückenarten.

Dass diese Population entdeckt werden konnte, ist das Verdienst einer ungewöhnlichen Mitmach-Aktion, zu der das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) im vergangenen Jahr erstmals aufriefen. Unabhängig voneinander hatten mehrere Bürger aus dem Großraum Bonn Exemplare der asiatischen Buschmücke an das Projekt „Mückenatlas“ geschickt und die Forscher damit auf die Spur gesetzt.

Neue Mückenarten siedeln sich an

Nach Angaben des ZALF gibt es weltweit rund 3.500 Stechmückenarten, 50 davon wurden bisher in Deutschland nachgewiesen. „Da sie wissenschaftlich lange vernachlässigt wurden, fehlt grundlegendes Wissen über ihr Vorkommen und ihre regionale Verbreitung. Faktoren wie Globalisierung und Klimaveränderungen begünstigen zudem die Ansiedlung nicht-einheimischer Stechmückenarten.“ Das Problem, das mit dieser Art der Einwanderung einhergeht: die Bedrohung der Artenvielfalt. Die „neuen“ Mücken aber sind nicht nur für Umweltschützer und Insektenforscher ein spannendes Thema, sondern auch für Virologen und Mediziner. Denn Stechmücken sind in der Lage, Viren, Bakterien und Parasiten zu verbreiten.

Nicht jede Mücke kann jede Krankheit übertragen. Mit Malaria anstecken kann man sich durch einen Stich der Anopheles-Mücke. Die asiatische Buschmücke gilt als Überträgerin des West-Nil-Virus. Ihre Verwandte, die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) überträgt unter anderem das Dengue-Fieber.

Kein Grund zur Sorge

Aktuell bestehe allerdings kein Grund zur Sorge, so das ZALF. Denn es fehlen mehrere Voraussetzungen für eine Krankheitsübertragung per Mücke: Zunächst einmal müsste das geflügelte Insekt einen infizierten Menschen stechen. Außerdem müssten beide im richtigen Stadium aufeinandertreffen. Vor allem aber müsste die Mücke lange genug leben, damit sich der Erreger in ihr vermehren könne. Dafür ist es (noch) zu kalt in Deutschland.

Beispiel: Die Erreger der Malaria vermehren sich unter 28 Grad nur zögerlich. Außerdem benötigen sie in der Mücke zwölf bis 18 Tage, um überhaupt infektiös zu werden. Die meisten Mücken, die theoretisch in der Lage sind, Malaria zu übertragen, leben aber hierzulande gar nicht so lange.

Die Ausbreitung einheimischer und invasiver Stechmückenarten müsse allerdings beobachtet werden. Das ist das Ziel des „Mückenatlas“. Wer mitmachen möchte, sollte die Hinweise befolgen, die auf der Internetseite www.mueckenatlas.de in der Rubrik „So werden Sie Mückenjäger“ beschrieben sind. Die Stechmücken müssen nämlich unbeschädigt eingefangen, tiefgefroren und anschließend an das ZALF im brandenburgischen Müncheberg geschickt werden.

„Der kalte Winter hat den Stechmückenpopulationen nicht geschadet“, sagt Dr.rer.nat. Doreen Werner, Biologin und Projektverantwortliche am ZALF. „Die Stechmücken sind schon aktiv.“