Mit Sport kann das Kunstgelenk länger halten

Auch Wintersport ist für Patienten mit einem künstlichen Hüftgelenk in Absprache mit dem Arzt möglich. (Foto: ARochau / Fotolia)
Auch Wintersport ist für Patienten mit einem künstlichen Hüftgelenk in Absprache mit dem Arzt möglich. (Foto: ARochau / Fotolia)

Endoprothetik-Experten raten Patienten zu regelmäßigem Training.

Zu einem gesunden Lebensstil gehört regelmäßige Bewegung unbedingt dazu. Das gilt auch für Patienten mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk. Sie sollten jedoch einige Regeln beachten und sich in jedem Fall mit ihrem Arzt abstimmen, rät die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE).

Lediglich in den ersten sechs Monaten nach der Operation ist Schonung angebracht, besonders bei Patienten, deren Prothese zementfrei implantiert wurde, erläutert Professor Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. „Der Knochen braucht die Zeit, um eine feste Verbindung zur Endoprothese aufzubauen.“ Professor Heller rät Patienten, diese Phase für Krankengymnastik und Muskelaufbautraining zu nutzen.

Gewohnte Sportart wieder aufnehmen

Danach, wenn der Arzt grünes Licht für mehr Bewegung gibt, sind Patienten im Vorteil, die vor der Operation schon sportlich aktiv waren. „Routine und Erfahrung mit vertrauten Bewegungsabläufen verhindern, dass es zu Verletzungen kommt und oft sind das auch die Sportarten, in denen sich Patienten sicher und wohl fühlen“, so Professor Heller.

Wer hingegen vorher nicht aktiv war, sollte nun damit anfangen. Wobei es nicht ratsam ist, eine technisch anspruchsvolle Sportart neu zu erlernen, denn das führt oft zu Fehlhaltungen und unnötigen Belastungen der Gelenkprothese. Für Anfänger gut geeignet sind sogenannte Low-Impact-Sportarten, die das Kunstgelenk nicht durch plötzliche Stöße belasten, also zum Beispiel Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen.

Brustschwimmen sollte jedoch bei einer künstlichen Hüfte vermieden werden, da die Froschbewegungen der Beine einen zu starken Druck auf die Prothese ausüben, erklärt Professor Pavel Dufek, Endoprothetik-Experte an der „Schön Klinik“ Neustadt in Holstein.

Extreme Belastungen vermeiden

Bedingt geeignet sind nach Ansicht der AE Tennis, Tischtennis, Kegeln, Bergwandern, alpiner Skilauf in Schontechnik und nur unter bestimmten Voraussetzungen leichtes Jogging. Generell abzuraten sei von Sportarten, bei denen es zu plötzlichen Drehbewegungen, extremen Abspreizungen, plötzlichen oder dauerhaften Belastungsspitzen kommt. Dazu gehören unter anderem Fußball, Handball, Basketball und Volleyball. „Auch Kampfsportarten, Hoch- und Weitsprung, Wasserski und Felsklettern sind nichts für Menschen mit Kunstgelenken“, so die Fachgesellschaft.

Warum ist körperliches Training ausgerechnet für Endoprothesenträger so wichtig? Zum einen wird dadurch dem natürlichen, alterungsbedingten Muskelabbau entgegengewirkt. „Am besten ist das Kunstgelenk geschützt, wenn trainierte Muskeln und straffe Bänder es umgeben“, erklärt Professor Heiko Reichel, Präsident der AE.

Zum anderen kann Bewegung chronischen Erkrankungen vorbeugen, die auch den Knochen betreffen. Beispiel Osteoporose: Sie gefährdet die Verankerung des künstlichen Gelenks im Knochen. „Sport kann sich hier günstig auswirken und möglicherweise sogar die Tragezeit der Kunstgelenke verlängern“, sagt Professor Reichel.