Mit Rheuma zum Kieferorthopäden

Rheumapatienten mit Kieferschmerzen sollten einen Kieferorthopäden aufsuchen. (Foto: nebari / Fotolia)
Rheumapatienten mit Kieferschmerzen sollten einen Kieferorthopäden aufsuchen. (Foto: nebari / Fotolia)

Wenn der Kiefer beim Kauen schmerzt, kann eine rheumatoide Arthritis die Ursache sein

(dbp/wgt) Rheumakranke leiden häufig auch an schmerzenden Kiefergelenken. Doch nur selten werden die Beschwerden unmittelbar mit der rheumatischen Erkrankung in Verbindung gebracht. Dabei wirkt sich bei jedem fünften Rheumapatienten die Erkrankung auch auf die Kiefergelenke aus, wie Professor Jens Christoph Türp von der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Myoarthropathien der Universität Basel erläutert. Bei vier von 100 Patienten tritt eine rheumatoide Arthritis zuerst in den Kiefergelenken auf.

Mitunter beschränkt sich die rheumatische Entzündung auf ein Kiefergelenk, oft sind jedoch beide betroffen. Sobald der Unterkiefer bewegt wird, nehmen die Schmerzen zu. Meist können die Patienten den Mund nur noch eingeschränkt öffnen. Auf stärkere Beschwerden reagieren sie oft mit einer Schonhaltung, indem sie den Unterkiefer nach vorn verschieben.

Frühzeitige Diagnose beugt Versteifung vor

Wird eine rheumatoide Arthritis des Kiefergelenks nicht rechtzeitig erkannt, besteht die Gefahr, dass sich der angegriffene Gelenkknorpel zersetzt und die Kieferknochen zusammenwachsen. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu einem Verlust der Gelenkfunktion. Um einer möglichen Versteifung des Gelenks vorzubeugen, sollten Betroffene sich möglichst umgehend von einem erfahrenen Kieferorthopäden untersuchen lassen. Denn die krankhaften Veränderungen schreiten mitunter schnell voran.

Jeder zweite junge Rheumapatient ist betroffen

Besonders häufig leiden Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis an einer Entzündung der Kiefergelenke. Etwa jeder zweite kleine Rheumapatient ist laut Deutscher Rheuma-Liga davon betroffen. Hier erweist sich eine frühe Diagnose als besonders wichtig. Denn eine Entzündung im Kiefergelenk kann schwerwiegende Folgen für die Gesichtsentwicklung des Kindes haben. Bleibt die Entzündung über längere Zeit unentdeckt, verzögert sich häufig das Wachstum des Unterkiefers und es kommt zu einem fliehenden Kinn. Ist das Wachstum des Kiefers einseitig verringert, kann es zu einer asymmetrischen Entwicklung des Gesichts kommen. Das Kinn weicht dann zu einer Seite hin ab.

Die Diagnostik einer Kiefergelenksarthritis erfordert laut Professor Türp keinen großen technischen Aufwand. Meist genügen eine umfassende Schmerzanamnese und eine körperliche Untersuchung. Wichtig ist dabei, dass der Patient seine Symptome genau beschreibt. Der Kieferorthopäde prüft dann die Beweglichkeit des Unterkiefers und tastet die Kaumuskulatur ab. Auch der Gesamtzustand der Zähne wird eingehend untersucht. Eine Panoramaschichtaufnahme dient gegebenenfalls dazu, mögliche andere Ursachen für das schmerzende Kiefergelenk auszuschließen.

Therapie ist Teamarbeit

Bei der Therapie rheumatisch bedingter Kiefergelenksschmerzen arbeitet der Kieferorthopäde eng mit einem Rheumatologen zusammen. Bei Kindern mit juveniler idiopathischer Arthritis wird häufig ein Kinderrheumatologe hinzugezogen. Die Behandlung erfolgt zunächst mit entzündungshemmenden Medikamenten. Mittels speziell angepasster Schienen sorgt der Kieferorthopäde dafür, dass die Gelenke vor Überlastung geschützt werden. Zahnklammern helfen anschließend, die Fehlstellung des Unterkiefers zu korrigieren. Bei Kindern zielt die Therapie außerdem darauf, das Wachstum des unterentwickelten Unterkiefers zu fördern, sobald keine aktive Entzündung mehr vorliegt.