Mit offenen Armen empfangen

Dario und seine Mutter haben viel Spaß zusammen. (Foto: Werner Girgert / dbp)
Dario und seine Mutter haben viel Spaß zusammen. (Foto: Werner Girgert / dbp)

Dario hat das Down-Syndrom und ist das Allerbeste, was seiner Mutter je passiert ist

(dbp/auh) Als Dario im März 2010 auf die Welt kam, wurde er mit offenen Armen empfangen. Seine Mutter Nicole P. hatte während der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Sohn das Down-Syndrom hat. Die damals 32-Jährige hat sich sehr bewusst für ihr Kind entschieden. Und sie hat vor der Geburt ihre Familie gefragt, ob ihr Kind willkommen sein wird. Obwohl er ein Chromosom zu viel hat. Die Antwort der Verwandten war eindeutig: alle sagten Ja zu Dario. Was für ein Glück.

„Der Dario ist das Allerbeste, was mir je passiert ist“, sagt die alleinerziehende Mutter. Die schlanke blonde Frau strahlt einen bodenständigen Optimismus aus, sie ist stets zugewandt und verbindlich. Nie hat sie ihre Entscheidung bereut. Dabei war der Zeitpunkt nicht gerade günstig, als sich ihr Sohn ankündigte. Die gelernte Erzieherin war gerade dabei, sich beruflich neu zu orientieren. Sie plante, sich selbstständig zu machen. Und die Partnerschaft mit dem werdenden Vater war auch nicht so stabil, dass eine Familiengründung zur Debatte stand. Eigentlich standen alle Zeichen auf Abbruch der Schwangerschaft.

Ärztin: „Das muss abgeklärt werden“

Doch dann wurde der Wunsch, Mutter zu werden, immer stärker. „Der Körper verändert sich und man spürt, das Leben in einem wächst“, sagt Nicole. Außerdem wollte sie immer Kinder haben. Also: Warum nicht jetzt? Erst, als die Würfel gefallen waren und sich Nicole uneingeschränkt auf ihr Kind freute, erfuhr sie von der möglichen Behinderung. Es war während einer Ultraschalluntersuchung. „Die Ärztin war sehr still, das kam mir irgendwann komisch vor“, erinnert sich Nicole. Dann sagte die Gynäkologin nur: „Das muss abgeklärt werden.“

Die Messung der Nackenfalte hatte eine Auffälligkeit ergeben, eine Fruchtwasseruntersuchung wurde anberaumt. Der Schnelltest fiel negativ aus, das heißt: keine Anomalie. Gleichzeitig wurde für eine detaillierte Diagnose eine Zellkultur angelegt. Zehn Tage später hatte Nicole – an einem Freitag – auf dem Anrufbeantworter eine denkbar beunruhigende Mitteilung: „Darüber müssen wir reden.“

90 Prozent der Frauen entscheiden sich gegen ein Kind mit Down-Syndrom

Es gibt viele Gründe, warum 90 Prozent aller Frauen, die eine solche Mitteilung erhalten, sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Einer davon ist Angst. Auch Nicole hatte Angst. Vor allem, weil sie nicht wusste, was das genau bedeutet: Down-Syndrom. Deshalb ist es ihr heute so wichtig, dass Frauen die Chance bekommen, sich ein Bild von einer Familie mit „Downie“ zu machen. Zu diesem Zweck hat sie ihre Kontaktadresse bei den Gynäkologen im heimischen Landkreis hinterlegt. Auch über die Internetadresse der Selbsthilfegruppe Marburg ist sie erreichbar.

Liebevoll berichtet Nicole, wie wissbegierig der kleine Dario ist: „Er will lernen und er kann auch alles lernen, es dauert nur länger. Wir müssen jeden Handgriff üben.“ Das aktuelle Projekt heißt: selbstständig die Schuhe anziehen. „Er ist ein sehr starker Charakter“, sagt die Mutter schmunzelnd.

Nicole P. will keine Frau verurteilen, die sich für einen Abbruch entscheidet. Aber: „Keine Entscheidung sollte aus Angst getroffen werden.“ Da Angst meist aus Unkenntnis und Unsicherheit resultiert, ist Information ein gutes Gegenmittel. Von den Ärzten würde die engagierte Frau sich wünschen, dass sie eine offenere, lebensbejahende Haltung einnehmen. Mit „ihrem“ Arzt ist sie sehr zufrieden und spricht mit Begeisterung von ihm. Sehr gute Erfahrungen hat die junge Mutter auch mit den kommunalen Kinderbetreuungsstätten gemacht. Dario ist mit zwei Jahren in die Kita gekommen und mit drei in den Kindergarten. Auch dort wurde er mit offenen Armen empfangen.