Mit Nadeln entspannen

Je erschöpfter ein Patient ist, desto größer sollten die Abstände zwischen den Akupunktur-Behandlungen sein, denn auch diese verbrauchen zunächst Energie. (Foto: Fotolia / E. Zacherl)
Je erschöpfter ein Patient ist, desto größer sollten die Abstände zwischen den Akupunktur-Behandlungen sein, denn auch diese verbrauchen zunächst Energie. (Foto: Fotolia / E. Zacherl)

Akupunktur kann bei Stress und Burnout die Spannung regulieren.

(dbp/spo) Vorwiegend gilt Akupunktur als Mittel zur Linderung von Schmerzen. Doch die uralte chinesische Behandlungsmethode sorgt bei jenen, die sich darauf einlassen, auch für eine tiefe Entspannung – eine Wirkung, von der Menschen, die unter Stress, Erschöpfung oder gar Burnout leiden, profitieren können.

Die Akupunktur sollte bei psychischen Problemen nicht als alleiniges Heilmittel gesehen werden, kann aber als begleitende Maßnahme gute Dienste leisten. Wichtig beim Thema Ausgebrannt sein: Burnout ist nicht gleich Burnout. „Es gibt verschiedene Typen“, sagt Dr. Christian Schmincke, Leiter der auf chinesische Medizin spezialisierten Klinik am Steigerwald. Daran müsse sich die Akupunkturbehandlung orientieren. Idealerweise wird sie laut Dr. Schmincke noch mit einer chinesischen Arzneimitteltherapie kombiniert.

Verschiedene Burnout-Typen

„Es gibt diejenigen, die immer Gas geben müssen – und irgendwann ist das Benzin alle. Dann gibt es die, die immer zu viel gleichzeitig verarbeiten müssen; etwa Mütter, die arbeiten gehen, die Kinder betreuen und zusätzlich noch die Eltern pflegen“, erklärt der Klinikleiter. „Da ist irgendwann der Kanal voll – hier werden ganz andere Nadelpunkte verwendet. Solche Menschen haben zum Beispiel auch oft Verdauungsbeschwerden.“

Und schließlich gibt es noch die Menschen, die im Kopf „viele Altlasten mit sich herumtragen“. Probleme, die vielleicht gar keine mehr sind, aber trotzdem noch in den Gedanken herumkreisen. Sie sind oft von Schlafstörungen geplagt, weiß Dr. Schmincke. Auch hier gibt es spezielle Akupunkturtechniken. „Man muss immer herausfinden, was genau vorliegt.“

Am wirksamsten sei die Akupunktur, wenn es um Spannungsregulation geht – also für Typ 1, den „Gasgeber“. Wichtig: Die Patienten sollten entspannt zu den Sitzungen kommen und nicht in letzter Minute hereinhetzen. Nach der Sitzung sollten zudem für einige Zeit körperliche und seelische Belastungen vermieden werden. „Dazu gehört auch schon das Autofahren“, sagt Dr. Schmincke.

Energie-Plus auf der Habenseite

Grundsätzlich gilt: Je erschöpfter der Patient, desto größer die Abstände zwischen den Behandlungen. Denn jede Akupunktur – so wie jede Reiztherapie – koste zunächst Energie. „Am Ende hat man aber auf der Habenseite wieder ein Plus“, so der Mediziner. Die feinen Nadelstiche setzten, richtig angewandt, die Impulse so, dass die Energieströme im Körper quasi wirtschaftlicher fließen.

Auch für Krebspatienten, die nach einer Chemotherapie unter chronischer Erschöpfung (Fatigue) leiden, kann sich die Behandlung lohnen. Eine britische Studie aus dem Jahr 2012 bescheinigte der Akupunktur zwar geringe aber durchaus messbare positive Effekte. Teilgenommen hatten rund 300 Brustkrebspatientinnen, von denen etwa zwei Drittel nach der Krebstherapie eine gezielte Akupunktur gegen Fatigue erhielten.

Von den gesetzlichen Krankenkassen wird die Behandlung bei Burnout und Erschöpfungszuständen allerdings in der Regel nicht bezahlt. Privatversicherte sollten bei ihrer Kasse nachfragen.