Mit Muskelkraft gegen die Müdigkeit

Muskelaufbautraining hilft Brustkrebspatientinnen, die Nebenwirkungen der Therapie zu verkraften. (Foto: aletia2011 / Fotolia)
Muskelaufbautraining hilft Brustkrebspatientinnen, die Nebenwirkungen der Therapie zu verkraften. (Foto: aletia2011 / Fotolia)

Krafttraining kann bei Krebspatienten nachweislich viele Beschwerden lindern

(dbp/auh) Körperliche Aktivität kann die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern. Sport kann sowohl die psychischen und körperlichen Auswirkungen der Krankheit selbst wie auch die Nebenwirkungen der Krebstherapien beeinflussen. So weit, so vage. Verlässliche Voraussagen, wie sich welche Art von Bewegungstherapie auf welche Tumorpatienten auswirkt, gibt es nicht. Aber es gibt Forscher, die den Zusammenhang von Sport und Krebs systematisch untersuchen und dabei immer mehr lernen über die heilende Kraft von körperlicher Bewegung.

Eines der führenden wissenschaftlichen Institute auf diesem Gebiet in Deutschland ist das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, das sich auch mit der Wirkung von körperlicher Aktivität auf das tumorbedingte Erschöpfungssyndrom, auch „Fatigue“ genannt, beschäftigt.

Viele Krebspatienten leiden unter Fatigue

Extreme Erschöpfung, geistige und körperliche Kraftlosigkeit, schwindender Lebenswille und bleierne Müdigkeit gehören zu den Symptomen. Dr. Joachim Wiskemann vom NCT berichtet in einem Interview mit dem Online-Sportmagazin Netzathleten, dass für viele Krebspatienten das Fatigue-Syndrom die Nebenwirkungen sei, die sie am meisten einschränke.

Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft leiden bis zu 90 Prozent der Patienten unter Fatiguebeschwerden, entweder während der Therapie oder danach. Ursächlich für das Fatigue-Syndrom ist wahrscheinlich eine Kombination mehrerer Faktoren. Es wird angenommen, dass die chronische seelische und körperliche Belastung durch die Krebserkrankung die Lebensenergie verbraucht. Ebenso werden Stoffwechselveränderungen oder Schädigungen des Nervensystems diskutiert.

Studie belegt große therapeutische Wirkung

Laut Wiskemann ist eine Ursache für das Fatigue-Syndrom der Verlust an Muskelmasse. Daher könne Muskelaufbautraining die Symptome lindern. Zumindest für Brustkrebs-Patientinnen wurde dieser therapeutische Effekt bereits 2014 nachgewiesen. Die Studienleiterin Professor Karen Steindorf hält das Ergebnis für so überzeugend, dass sie empfiehlt, Krafttraining schon therapiebegleitend in die Routineversorgung von Brustkrebspatientinnen aufzunehmen.

Mit insgesamt 160 Teilnehmerinnen war es eine verhältnismäßig große Studie, die in Heidelberg durchgeführt wurde. Die Brustkrebspatientinnen, die alle eine Strahlentherapie machten und unter dem Fatigue-Syndrom litten, wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt. Alle absolvierten ein zwölfwöchiges Gruppentraining, das zweimal in der Woche für jeweils eine Stunde stattfand. Der einzige Unterschied: In der einen Gruppe wurde Entspannungstraining gemacht, in der anderen wurden die Muskeln trainiert.

Mit dem Krafttraining wurden viel bessere Ergebnisse erzielt. „Krafttraining ist offenbar eine wirksame Methode, um den belastenden Fatigue-Symptomen bei Brustkrebspatientinnen vorzubeugen oder sie zu lindern“, erläutert Professor Steindorf.

In einem Überblicksartikel für die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin haben Steindorf und Wiskemann Studien recherchiert, die den Effekt von Krafttraining auf Tumorpatienten erforschen. Die Ergebnisse reichen von der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, über die Reduktion von Fatigue und Steigerung der Lebensqualität bis hin zu einer positiven Beeinflussung der Knochendichte unter antihormoneller Behandlung. Einschränkend stellen die Autoren aber fest, dass fast alle Studien mit Brust- oder Prostatakrebserkrankten ohne Metastasen durchgeführt wurden. Somit sei die Aussagekraft auf diesen Patientenkreis begrenzt.