Mit Mini-Implantaten dem Knochenaufbau entgehen

Patienten sollten sich vom Zahnarzt gut beraten lassen, ob ein Mini-Implantat für sie sinnvoll ist. (Foto: pro Dente e.V.)
Patienten sollten sich vom Zahnarzt gut beraten lassen, ob ein Mini-Implantat für sie sinnvoll ist. (Foto: pro Dente e.V.)

Besonders ältere Patienten profitieren von den kleinen künstlichen Wurzeln

(dbp/spo) Zahnersatz, der sich genauso anfühlt wie die echten Zähne – davon träumen viele. Implantate wären hier eine gute Lösung. Allerdings sind sie teuer, zudem muss vor dem Einsatz bei manchen Patienten erst Knochenmaterial aufgebaut werden. Eine Alternative dazu sind Mini-Implantate.

Die „Minis“ sind mit einem Durchmesser von maximal drei Millimetern viel dünner als ihre herkömmlichen Verwandten. Sie können ohne großen chirurgischen Eingriff nach einer Vorbohrung direkt durch die Schleimhaut in den Knochen gedreht werden. Und: Sie dürfen sofort belastet werden. Weil sie nur aus einem Teil bestehen, sind zudem ihre Produktionskosten geringer und damit auch die Kosten für den Patienten.

Und es gibt noch einen entscheidenden Vorteil: Da sie so dünn sind, können sie an Stellen eingesetzt werden, an denen für reguläre Implantate nicht mehr genügend Knochenmaterial vorhanden ist. So umgehen Patienten einen aufwendigen Knochenaufbau (Augmentation).

Fester Halt für die Vollprothese

Sind Mini-Implantate also besser? Dazu gibt es unter Implantologen verschiedene Meinungen. Herkömmliche Implantate seien im jungen und gesunden Kiefer die stabilere Variante, heißt es. Durch ihre breitere Oberfläche halten sie stärkeren Belastungen stand.

Eine Option sind die „Minis“ (auch MDIs oder SDIs) aber zum Beispiel bei sehr schmalen Lücken im seitlichen Frontzahnbereich, schreibt der Limburger Implantologe Dr. Philip Streckbein in der zahnärztlichen Fachzeitschrift ZM. Und natürlich bei Kiefern mit geringer Knochenreserve.

Letzteres betrifft vor allem ältere Patienten. So beschert der demographische Wandel den Implantologen eine völlig neue Zielgruppe, erläutert Dr. Friedhelm Heinemann von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Uniklinik Greifswald in ZM: Die „Alten“ von heute behalten durch eine bessere Zahnpflege ihre eigenen Zähne länger. Gleichzeitig steigen ihre Ansprüche, wenn dann doch Zahnersatz gebraucht wird. Eine wackelnde und schmatzende Prothese ist da keine attraktive Aussicht. Auf der anderen Seite scheuen sie oft größere chirurgische Eingriffe. Mini-Implantate bieten hier also eine gute Lösung. Sie tragen nicht nur Brücken oder Teilprothesen, sondern können auch Vollprothesen fest im Kiefer verankern.

Der Implantologe sollte erfahren sein

„Man kann einen klaren Trend beobachten, die Implantatgeometrie dem vorhandenen Knochenangebot anzupassen, und nicht umgekehrt“, sagt Dr. Heinemann. Wichtig sei allerdings, die Patienten, für die Mini-Implantate tatsächlich geeignet sind, kritisch und sorgfältig auszuwählen.

Außerdem sollten nur Implantologen mit einer entsprechenden Weiterbildung und Erfahrung die kleinen Implantate setzen. Zwar können sie „einfach“ durch die Schleimhaut eingedreht werden. Damit sie der Kaubelastung aber auch tatsächlich standhalten, müsse ihre Lage im Knochen exakt stimmen.

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