Mit medizinischer Hilfe zum Wunschkind

Damit aus zwei tatsächlich drei werden, ist bei manchen Paaren medizinische Unterstützung nötig. (Foto: Bauer Alex/Fotolia)
Damit aus zwei tatsächlich drei werden, ist bei manchen Paaren medizinische Unterstützung nötig. (Foto: Bauer Alex/Fotolia)

Wie Ärzte bei Fruchtbarkeitsstörungen nachhelfen können

(dbp/spo) Mit dem Schwangerwerden ist es wie mit einem Schweizer Uhrwerk: Damit es tatsächlich funktioniert, müssen alle „Rädchen“ reibungslos ineinander greifen. Doch Menschen sind nicht perfekt, deshalb bleibt das ersehnte Kind bei manchen aus. Je nach Ursache kennt die Medizin jedoch verschiedene Möglichkeiten, um der Natur auf die Sprünge zu helfen.

Hormonelle Stimulation

Oft sind die Hormone für Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau verantwortlich. Ans Licht kommt dies, wenn der Frauenarzt den Zyklus per Ultraschall überwacht (Zyklusmonitoring) und zum Beispiel sieht, dass die Eizellen nicht richtig heranreifen oder sich die Gebärmutterschleimhaut, in die sich das befruchtete Ei einnisten soll, nicht richtig aufbaut. Bluttests geben Aufschluss über den Hormonstatus. Ein hormonelles Ungleichgewicht kann dann oft mit Medikamenten ausgeglichen werden.

Samenübertragung

Hat der Mann zu wenige oder nicht ausreichend bewegliche Samenzellen, kommt eventuell eine Samenübertragung (Insemination) direkt in die Gebärmutter infrage. Oft geht auch sie mit einer Hormonstimulation der Frau einher, damit es zu einer optimalen Eizellreifung kommt. Das Sperma, das üblicherweise am Tag der Behandlung frisch gebraucht wird, wird im Labor aufbereitet, sodass möglichst viele befruchtungsfähige Samenzellen übrig bleiben. Die Erfolgsquote bei der Insemination liegt bei nur 15 bis 18 Prozent, sagt Professor Jan-Steffen Krüssel vom Universitären interdisziplinären Kinderwunschzentrum Düsseldorf (UniKiD). Allerdings sind Aufwand und Kosten (zwischen 300 und 500 Euro) deutlich niedriger als bei einer künstlichen Befruchtung.

ICSI/IVF – die künstliche Befruchtung

Einen Schritt weiter als die Samenübertragung geht die künstliche Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers. Hier gibt es zwei Methoden – die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die intracytoplasmatische Spermiuminjektion (ICSI). Der große Unterschied: Während bei der IVF Ei- und Samenzellen im Reagenzglas selbst zueinander finden müssen, werden die Samenzellen bei der ICSI direkt in die Eizelle eingespritzt.

Fast immer ist auch hier eine Hormonbehandlung nötig, um im Vorfeld möglichst viele befruchtungsfähige Eizellen zu bekommen. Die Eizellen werden der Frau entnommen und als befruchtete Embryonen wieder in die Gebärmutter übertragen. Etwa 14 Tage später kann in der Regel im Blut nachgewiesen werden, ob es zu einer Schwangerschaft gekommen ist.

Die ICSI ist heute die am häufigsten angewandte Art der künstlichen Befruchtung. „Sie war ein Meilenstein“, sagt Professor Krüssel über die im Jahr 1994 flächendeckend eingeführte Methode. „Im Extremfall wird hier nur ein Spermium pro Eizelle für die Befruchtung gebraucht.“ Allerdings ist die ICSI etwas teurer als die IVF. Gesetzlich Krankenversicherte müssen für eine ICSI mit einem Eigenanteil von etwa 1.500 Euro rechnen, für eine IVF mit 1.200 Euro.

Eine künstliche Befruchtung hat schon viele Wunschkinder hervorgebracht. Aber: „Es ist wichtig, dass man den Paaren vorher sagt, wie hoch die Chancen, schwanger zu werden, tastsächlich sind“, sagt Professor Krüssel. Sie liegen bei jüngeren Paaren bei rund 30 Prozent, sind die Frauen über 40, sinken sie auf rund 15 Prozent.