Mit Krebsmythen aufräumen

Krebs ist noch immer nicht gänzlich erforscht – ein Grund für die Vielzahl von Mythen und Missverständnissen. (Foto: Nick Freund / Fotolia)
Krebs ist noch immer nicht gänzlich erforscht – ein Grund für die Vielzahl von Mythen und Missverständnissen. (Foto: Nick Freund / Fotolia)

Der Krebsinformationsdienst geht Gerüchten und Missverständnissen auf den Grund

(dbp/auh) Bereits zum zweiten Mal in Folge steht der Weltkrebstag im Zeichen der Aufklärung weit verbreiteter „Krebsmythen“. Über kaum eine andere Krankheit kursieren so viele Missverständnisse, Vorurteile, Gerüchte und Halbwahrheiten. „Entlarve die Mythen“ heißt es also wieder am 4. Februar.

Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ist einigen modernen Krebsmythen auf den Grund gegangen. „Wir bekommen viele Anrufe und E-Mails von besorgten Menschen. Auslöser sind Aussagen, die sie im Internet gefunden oder im Bekanntenkreis gehört haben“, berichtet Dr. Susanne Weg-Remers, die Leiterin des Krebsinformationsdienstes. Der KID beantwortet individuelle Fragen, auf Wunsch auch anonym, am Telefon unter der kostenfreien Rufnummer 0800 – 420 30 40 und per E-Mail (krebsinformationsdienst@dkfz.de).

Krebs als Strafe für sündiges Verhalten?

Bei der Informationssuche überprüft der Dienst nicht nur, was an belegbaren Quellen hinter den jeweiligen Aussagen steht. Auch die Frage, wie solche Gerüchte entstanden sein könnten, sei manchmal sehr aufschlussreich. „Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass einige moderne Krebsmythen durchaus weltanschauliche Bezüge haben“, erläutert die Ärztin. Dazu gehören beispielsweise Aussagen, die bestimmte Lebenseinstellungen als krebserregend brandmarken oder Krebs als Strafe für vermeintliche Sünden definieren.

Krebs ist nicht ansteckend!

Neben diesem offensichtlichen Unsinn gibt es aber auch Gerüchte, in denen laut KID ein „Körnchen Wahrheit“ steckt. Beispiel: Ist Krebs von Mensch zu Mensch übertragbar? Definitiv nicht! Aber: Eine Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren kann unter Umständen zu einer Krebserkrankung führen – nicht zwangsläufig, aber möglicherweise. Beispiele sind die Viren Hepatitis B und C, bestimmte Typen des humanen Papillomvirus (HPV) und das Magenbakterium Helicobacter pylori. Diese vier sind nach Angaben der Pro-Impf-Stiftung „GAVI Alliance“ jedes Jahr zusammen für 1,9 Millionen Fälle von Leber-, Gebärmutterhals- und Magenkrebs verantwortlich.

Gibt es eine Impfung gegen Krebs? Nein. Aber Impfungen können das Krebsrisiko senken. Nachgewiesen ist das für die Impfung gegen Hepatitis B als Risikofaktor für Leberkrebs, ein ähnlicher Effekt wird für die HPV-Impfung bezüglich des Erkrankungsrisikos für Gebärmutterhalskrebs erwartet.

Keine Luft an den Tumor lassen?

Ein anderes Gerücht, das sich hartnäckig hält, ist besonders gefährlich, weil es Krebspatienten womöglich davon abhält, sich operieren zu lassen. Es lautet: Keine Luft an den Tumor lassen! Die Theorie, dass der Krebs durch einen chirurgischen Eingriff an Gefährlichkeit zunimmt, ist laut KID widerlegt. Sie kommt daher, dass früher bei einer Tumor-OP „auf Sicht“ operiert wurde. Dabei wurde meist zu wenig Gewebe entfernt, so dass die entarteten Zellen sich weiter ungehindert vermehren konnten. „Heute entfernen Chirurgen nicht nur die Geschwulst selbst, sondern auch einen Randsaum von gesundem Gewebe. Und sie achten darauf, bei der Operation selbst nicht unwillentlich Tumorgewebe weiter im Körper zu verstreuen“, erklärt der KID.

Die Experten betonen, dass sich die moderne Krebsmedizin nicht allein auf die Entfernung des Tumors beschränkt. Die Behandlung besteht meist aus weiteren, „adjuvanten“ Therapien wie Chemo oder Bestrahlung. Auf diese Weise können heutzutage mehr als die Hälfte aller Tumorpatienten geheilt werden. In den 1980er Jahren waren es weniger als ein Drittel.