Mit Hightech gegen kranke Venen

Laserbehandlung bei Besenreisern. (Foto: Deutsche Venen-Liga)
Laserbehandlung bei Besenreisern. (Foto: Deutsche Venen-Liga)

Die Laser-Behandlung erfreut sich steigender Beliebtheit, ist jedoch nicht immer geeignet

(dbp/wgt) Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden wie dem Stripping gilt Lasern als schonendes Verfahren zur Behandlung von Krampfadern. Die erkrankte Vene wird nicht mehr entfernt, sondern mittels Laser-Strahlen lediglich von innen verschlossen. Das hat den Vorteil, dass der Eingriff ambulant erfolgen kann und eine örtliche Betäubung ausreicht.

Kassenpatienten müssen Laser-Therapie selbst zahlen

Der Nachteil: Patienten, die nicht privat versichert sind, müssen die Kosten von 900 bis 1.800 Euro für eine Behandlung selbst tragen. Denn bislang haben die gesetzlichen Krankenkassen die Laser-Therapie noch nicht als Regelleistung anerkannt. Aus Sicht der Kassen bietet das Lasern zurzeit keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber der Stripping-Methode, bei der die erkrankten Venenabschnitte durch einen kleinen Schnitt in der Haut herausgezogen und dann entfernt werden.

Bei der Bewertung der beiden Verfahren beziehen sich die Kassen auf Vergleichsstudien. Die belegen, dass sich die Laser-Therapie hinsichtlich der Behandlungsergebnisse nicht wesentlich von der traditionellen Stripping-Methode unterscheidet. Sowohl was den erfolgreichen Verschluss der Vene als auch das Auftreten neuer Krampfadern (Rezidive) betrifft, zeigten sich in den Studien auch zwei Jahre nach dem Eingriff keine signifikanten Unterschiede. Das gilt ebenso für die Verbesserung der Symptome und die Genesungszeit nach dem Eingriff.

Weniger Nebenwirkungen beim Lasern

Der Vergleich macht aber auch deutlich, dass bei beiden Verfahren unerwünschte Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind. So wurden nach Laser-Behandlungen gelegentlich Hautverbrennungen und Verhärtungen beobachtet. Nach Operationen mit der Stripping-Methode kam es dagegen häufiger zu Wundkomplikationen und Schwellungen.

„Im Vergleich zeigt sich allerdings, dass insgesamt nach der Laser-Behandlung weniger unerwünschte Ereignisse auftreten als nach chirurgischem Verfahren“, stellt der Gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen abschließend fest. Allerdings liegen noch keine Studien vor, die belegen, dass die Laser-Therapie im Hinblick auf Nutzen und Risiken auch über einen längeren Zeitraum konkurrenzfähig ist. Deshalb halten sich die Kassen bei der Finanzierung zurück.

Venen-Liga mahnt bessere Qualitätssicherung an

Das scheint den Vormarsch der Lasers in der Praxis jedoch nicht aufzuhalten, wie die Deutsche Venen-Liga (DVL) nicht ganz ohne Sorge beobachtet. Die größte Patientenvereinigung für Venenerkrankungen spricht bereits von einem „Laser-Wahn“. Denn vieles deutet darauf hin, dass die Laser-Therapie auch bei Patienten zum Einsatz kommt, bei denen sie eigentlich nicht angewendet werden sollte. So meldeten sich in jüngster Zeit vermehrt Patienten, die nach einer Laser-Behandlung über wiederkehrende Krampfadern klagen, berichtet DVL-Geschäftsführerin Petra Hager-Häusler.

Sie mahnt deshalb eine bessere Qualitätssicherung an, die sicherstellt, dass der Laser nur dann zum Einsatz kommt, wenn der Befund das eindeutig nahelegt. „Wenn die Vene zu dick oder zu stark geschlängelt ist, eignet sich die Methode nicht“, so Hager-Häusler. Deshalb rät sie Krampfadernpatienten, sich in die Hände erfahrener Phlebologen zu begeben, die mit verschiedenen Methoden arbeiten und jeweils die am besten geeignete anwenden können.

Für Herzpatienten kann der Verzicht auf das Lasern der Venen sogar lebensrettende Vorteile haben, betont Hager-Häusler. Sollten sie irgendwann auf einen Bypass angewiesen sein, kann die eigene Stammvene als Ersatz für die verstopften Herzgefäße dienen. Wurde die Stammvene jedoch bei der Laser-Behandlung verschweißt, dann steht sie nicht mehr zur Verfügung.

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Ärzte Zeitung: Patienten-Information Hilfe bei Krampfadern, www.aerztezeitung.de/extras/patienteninfo/pdf/laien/venenleiden_02.pdf; Deutsche Venen-Liga (2014): Patientensicherheit contra Laser-Wahn bei Krampfadern, www.venenliga.de/index.php/presse/pressemitteilungen/276-patientensicherheit-contra-laser-wahn-bei-krampfadern; IGeL-Monitor (2012): Laser-Behandlung von Krampfadern (Varizen). Evidenzsynthese, www.igel-monitor.de/pdf_bewertungen/Laserbehandlung%20Varizen_Evidenzsynthese.pdf; IGel-Monitor (2012): Laser-Behandlung von Krampfadern (Varizen). Ergebnisbericht, www.igel-monitor.de/pdf_bewertungen/Laserbehandlung%20Varizen_Ergebnisbericht.pdf; Mumme, Achim (2012): Kontrollierte Vergleichsstudien zur endovenösen Therapie der Varikosis. Ist die Stripping-Operation noch konkurrenzfähig? In: Phlebologie. 41. Jg., H. 2, S. 68-72, www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/phlebologie/inhalt/archiv/issue/1531/manuscript/17531.html; Rass, Knuth/Frings, Norbert/Glowacki, Paul/Hamsch, Corinna/Gräber, Stefan/Vogt, Thomas/Tilgen (2012): Comparable Effectiveness of Endovenous Laser Ablation and High Ligation With Stripping of the Great Saphenous Vein. Two-Year Results of a Randomized Clinical Trial (RELACS Study). In: Archives of dermatology, www.artemed.de/kliniken/simmerath/media/2011_Rass_ArchDermatol.pdf; Stand: März 2014