Mit einem Chip im Auge wieder sehen können

Ein Netzhaut-Implantat kann ein Stück Sehkraft zurückbringen. (Foto: Bilderbox)
Ein Netzhaut-Implantat kann ein Stück Sehkraft zurückbringen. (Foto: Bilderbox)

Netzhaut-Implantat aus Deutschland seit Kurzem auf dem europäischen Markt

(dbp/auh) Medizin und Technik gingen schon immer Hand in Hand. Jede technische Neuentdeckung oder Weiterentwicklung hinterließ bisher auch in der Medizingeschichte ihre Spuren. Gegenwärtig hat die Computertechnologie sämtliche Bereiche der Medizin fest im Griff. Zukünftig wird es wahrscheinlich die Gentechnik sein.

Das Cochlea-Implantat ist ein relativ bekanntes Beispiel für Mini-Computer, die in den menschlichen Körper hineinoperiert werden. Mit der elektronischen Innenohr-Prothese können gehörlose Menschen wieder hören. Auch in der Augenheilkunde werden seit Kurzem Chips implantiert: Sie heißen „Argus II“ und „Alpha IMS“ und können blinden Menschen ein Stück Sehfähigkeit zurückgeben. Es handelt sich um zwei ganz unterschiedliche Typen von Netzhaut-Implantaten, die hauptsächlich für Patienten mit „Retinitis pigmentosa“ entwickelt wurden.

Netzhauterkrankung führt langsam zu Erblindung

Retinitis pigmentosa (RP) werden verschiedene, erblich bedingte Netzhauterkrankungen genannt. Dabei sterben die Netzhautzellen schrittweise ab, was zu einer fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfeldes führt. Meist sind zunächst die für das Sehen in der Dämmerung zuständigen Stäbchen betroffen. Später auch die für das Farbensehen notwendigen Zapfen. Dieser Prozess zieht sich oft über Jahrzehnte hin. Nach und nach entwickelt sich ein Tunnelblick. Am Ende steht die vollständige Erblindung.

Mit Netzhaut-Implantaten ist eine zumindest teilweise Rückkehr des Sehvermögens möglich. „Argus II“ war 2011 weltweit das erste zugelassene „Gerät zur Wiederherstellung eines Teils der funktionellen Sehfähigkeit bei blinden Menschen“. Es wurde in Kalifornien vom Unternehmen Second Sight Medical Products entwickelt.

Bei „Argus II“ sitzt der Chip auf der Netzhaut

Das System wandelt die Videobilder, die über eine Mini-Kamera in der Brille des Patienten aufgenommen werden, in elektrische Impulse um, die drahtlos an eine Elektrodenmatrix auf der Oberfläche der Netzhaut (epiretinal) übermittelt werden. Die verbleibenden Zellen der Retina werden durch die Impulse stimuliert, und dadurch werden entsprechende Lichtmuster vom Gehirn wahrgenommen. Die Patienten lernen anschließend, die visuellen Muster zu interpretieren, und erlangen dadurch einen gewissen Grad an funktioneller Sehfähigkeit.

Bei „Alpha IMS“ sitzt der Chip unter der Netzhaut

Das jüngste Produkt auf dem Markt kommt aus Deutschland. Das Reutlinger Unternehmen Retina Implant AG bekam Anfang Juli 2013 die Mitteilung vom TÜV, dass „Alpha IMS“ mit dem CE-Kennzeichen versehen und damit europaweit vertrieben werden darf. Das Implantat wird unter der Netzhaut (subretinal) befestigt und kann daher Licht direkt durch die Pupille empfangen. Der Patient benötigt also keine Kamera. Das Implantieren ist allerdings viel komplizierter und die Operation dauert wesentlich länger.

Ausführliche Informationen zu beiden Netzhaut-Implantaten mit allen technischen Details stellen die Unternehmen auf ihren Internetseiten zur Verfügung.