Mit der Sehkraft darf der Lebensmut nicht schwinden

Das Cover der Broschüre „Sehen im Alter“. (Foto: BAGSO/BZgA/DBSV)
Das Cover der Broschüre „Sehen im Alter“. (Foto: BAGSO/BZgA/DBSV)

Neue Broschüre „Sehen im Alter“ klärt über Augenerkrankungen und Hilfsmittel auf

(dbp/auh) Wenn im Alter die Sehkraft nachlässt, ist es oft nicht mit einer neuen Brille getan. Denn viele Augenkrankheiten, die wesentlich aufwendiger behandelt werden müssen, sind Alterskrankheiten. In manchen Fällen, etwa bei der trockenen Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), gibt es zurzeit noch keine effektive Therapie. Es gibt aber zahlreiche Hilfsmittel und Möglichkeiten, trotz Sehbehinderung ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen. Das Problem: Diese Angebote sind viel zu wenig bekannt.

Das Aktionsbündnis „Sehen im Alter“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wissenslücke zu schließen. Fachleute aus den Bereichen Selbsthilfe, Augenheilkunde sowie Gesundheits- und Sozialpolitik arbeiten gemeinsam daran, sehbehinderten älteren Menschen die Informationen zugänglich zu machen, die sie brauchen.

Ein wichtiger Baustein ist die neue Broschüre „Sehen im Alter“, die beim Deutschen Seniorentag im Juli 2015 in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Sie ist kostenlos erhältlich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in 50819 Köln sowie als pdf-Datei unter www.sehen-im-alter.org. Die Broschüre enthält zum einen verständliche Erläuterungen der häufigsten Augenerkrankungen im Alter, zum anderen gibt sie praktische Tipps für den Erwerb von Hilfsmitteln wie Lupen oder Leuchten.

Einfühlsame Fallgeschichten

Darüber hinaus werden Menschen mit verschiedenen Augenkrankheiten vorgestellt, die ihren ganz persönlichen Umgang mit dem Sehkraftverlust beschreiben. Dabei sprechen die Porträtierten auch von den dunklen Stunden, in denen Tatkraft und Lebensmut schwinden. Dass Probleme nicht verschwiegen oder schöngeredet werden, macht die Publikation so authentisch. Lösungswege werden aufgezeigt – auch für den Umgang mit dem sozialen Umfeld.

Denn gerade im Alter reagieren viele Menschen auf eine körperliche Beeinträchtigung mit sozialem Rückzug. Mancher geht kaum noch vor die Tür, sei es aus Angst, zu stürzen oder um zu vermeiden, andere Menschen um Hilfe bitten zu müssen. Wer auch zu Hause allein nicht mehr gut zurechtkommt, fühlt sich vielleicht nutzlos und droht, in ein Stimmungstief zu rutschen.

Raus aus dem Schneckenhaus

„Ich kenne Frauen, die haben nach der Diagnose ein ganzes Jahr lang ihre Wohnung nicht verlassen“, wird Marianne Lehmann, die mit 76 Jahren die Diagnose AMD bekam, in der Broschüre zitiert. Auch sie selbst brauchte die Unterstützung und das sanfte Beharren ihrer Tochter, um aus dem Schneckenhaus zu kommen. Heute ist sie 81 und fährt jeden Tag in Hamburg mit dem Bus. Dabei trägt sie eine Kantenfilterbrille, die das Licht bündelt und die Sicht klarer macht. Außerdem hat sie ein Einglas dabei, das ihr ermöglicht, die kleine Schrift auf dem Busfahrplan zu entziffern.

Übrigens: Viele Verkehrsverbände bieten ihren seh- oder gehbehinderten Kunden einen kostenlosen Begleitservice an. Wer Hilfe beim Ein- und Aussteigen oder bei der Orientierung benötigt, kann zum Beispiel bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main einen „Fahrgast-Begleiter“ bestellen, in anderen Kommunen heißt der Service meist „Mobilitätshelfer“.