Mit der Heilkraft der Pflanzen

Der Sonnenhut (Echinacea) ist eine der ältesten Heilpflanzen. (Foto: Gerhard Seybert / Fotolia)
Der Sonnenhut (Echinacea) ist eine der ältesten Heilpflanzen. (Foto: Gerhard Seybert / Fotolia)

Phytotherapeutika werden in der Naturheilkunde für viele Indikationen eingesetzt.

(dbp/kmh) Pflanzliche Arzneimittel sind beliebt, ihr Wirkspektrum ist breit gefächert und mögliche Begleiterscheinungen überschaubar. Nicht nur der Verkauf läuft prächtig, auch Handel und Anbau stehen hoch im Kurs. Im Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe wird die wichtige Bedeutung von Phytopharmaka ausdrücklich unterstrichen.

Vorsicht bei „Forte“

Ein Phytopharmakon (griechisch für pflanzliches Arzneimittel) wird nach dem Grad seiner Wirksamkeit mit dem Zusatz „Forte“ (stark) oder „Mite“ (sanft) gekennzeichnet. Kamille und Fenchel sind Beispiele für Mite-Phytotherapeutika. Sie rufen selbst bei starker Überdosierung keine nachhaltigen Gesundheitsschäden hervor. Fingerhut und Tollkirsche hingegen sind buchstäblich mit Vorsicht zu genießen. Sie gehören zu den Forte-Phytotherapeutika und können bei falscher Anwendung fatale Auswirkungen haben.

Ein Phytopharmakon besteht in der Regel aus einem komplexen Gemisch mehrerer Pflanzeninhaltsstoffe. Für die Herstellung werden entweder die ganze Pflanze oder einzelne Teile wie Blütenblätter, Blätter, Wurzeln oder Samen verwendet. Ein isolierter Wirkstoff pflanzlicher Herkunft, zum Beispiel Atropin, gilt nicht als Phytopharmakon.

Kontrollierte Qualität

An alle pflanzlichen Arzneimittel werden die gleichen Anforderungen gestellt wie an konventionelle, also chemisch-synthetische Präparate. Auch sie müssen Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes im Hinblick auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erfüllen. Dabei dürfen nur Wirkstoffe zum Einsatz kommen, deren Nutzen größer ist als ihr Risiko. Der Indikationsgrund muss hier in der Packungsbeilage angegeben werden. Es sei denn, bestimmte Wirkungen wurden durch überlieferte Dokumentationen festgehalten. Dann steht auf den Produkten beispielsweise „traditionell angewendet“ oder „zur Stärkung von“.

Husten, Schnupfen, Hautentzündung

Erkältungskrankheiten stehen an erster Stelle der Indikationen für pflanzliche Präparate. Zur Stärkung des Immunsystems und bei Entzündungen werden Heilpflanzen ebenfalls häufig genutzt. Viele Verbraucher greifen auch bei innerer Unruhe, Einschlaf- und Konzentrationsproblemen vorzugsweise zu Phytopharmaka. Hauterkrankungen, Reizblase, Venenleiden, Migräne und ein schwacher Kreislauf sind Felder, auf denen sich pflanzliche Präparate als Ergänzung der herkömmlichen Therapie bewährt haben.

Die meisten der hierzulande zugelassenen rund 2.000 Mittel sind frei verkäuflich. Doch auch bei nicht verschreibungspflichtigen Präparaten können falsche oder Überdosierungen mehr schaden als nutzen. Eine qualifizierte, fachliche Beratung durch den kundigen Apotheker, Heilpraktiker oder einen Arzt für Naturheilverfahren ist auf jeden Fall empfehlenswert. Denn auch rezeptfreie naturheilkundliche Arzneimittel sollten nicht ohne ärztlichen Rat über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.