Mit dem Rauchen aufhören lohnt sich immer

Für den Rauchstopp ist jeder Zeitpunkt genau der richtige. (Foto: pixelsocke / Fotolia)
Für den Rauchstopp ist jeder Zeitpunkt genau der richtige. (Foto: pixelsocke / Fotolia)

Die Atemwege werden von jeder Zigarette belastet, auch reduzierter Konsum ist schädlich

(dbp/auh) Mit dem Rauchen aufhören, das ist immer die richtige Entscheidung. So mancher ältere Raucher, der sich seit Jahrzehnten seiner Leidenschaft für Zigaretten hingibt, wird das vielleicht bestreiten. Der eine, weil er sich topfit fühlt und daher davon ausgeht, dass ihm das Rauchen gesundheitlich nicht schadet. Und der andere, weil er im Gegenteil bereits eine vom Rauchen verursachte, unheilbare Krankheit hat, zum Beispiel COPD. Warum dann noch aufhören? Weil es sich lohnt – in beiden Fällen.

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD ist eine schleichend fortschreitende Erkrankung, die zu einem allmählichen Verlust der Lungenfunktion führt, der nicht mehr umkehrbar ist. Für den scheinbar gesunden Raucher heißt das: Auch ohne Raucherhusten können seine Atemwege bereits geschädigt sein. Unerkannt und unbehandelt schreitet der zerstörerische Prozess allerdings rascher voran. Wird die Schädigung hingegen diagnostiziert, kann die Kombination aus Rauchstopp und medikamentöser Behandlung die krankhafte Entwicklung verlangsamen.

Die Behandlung der COPD mit Medikamenten, die die Bronchien erweitern, kann das Fortschreiten der Erkrankung nur verzögern, wenn der Patient kompromisslos mit dem Rauchen aufhört. Dr. Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen (BdP) weiß, dass das viel leichter gesagt als getan ist: „Ich habe Hochachtung vor jedem, dem es gelingt, seine Sucht zu besiegen.“

Einmal im Jahr zum Lungenfunktionstest

Der Ulmer Pneumologe plädiert für eine vorsorgliche Kontrolle der Lungenfunktion bei allen Rauchern – am besten einmal im Jahr. Frauen sollten nach mehr als 20 „Päckchenjahren“ (das heißt, wenn sie 20 Jahre lang täglich etwa eine Schachtel Zigaretten geraucht haben), Männer nach mehr als 30 Päckchenjahren einen Lungenfunktionstest (Spirometrie) machen lassen. Bei dieser Untersuchung, die in der Regel der Hausarzt durchführen kann, wird gemessen, ob und in welchem Maß die Bronchien verengt sind.

Dr. Barczok beklagt, dass viele Patienten erst dann den Weg in die Arztpraxis finden, wenn sie von ihrem Umfeld auf die Symptomatik aufmerksam gemacht werden. Das erste Symptom, „Atemnot bei Belastung“, mache sich vor allem beim Treppensteigen oder Bergaufgehen bemerkbar, werde aber von den Betroffenen selbst nicht immer ernst genommen. Oder sie meiden den Gang zum Arzt, weil sie ahnen, was ihnen der Mediziner raten wird: mit dem Rauchen aufzuhören.

Flimmerhärchen können beim Raucher nicht arbeiten

„Nach dem Rauchen einer einzigen Zigarette steht für acht Stunden die Müllabfuhr still“, erklärt Dr. Barczok. Der „Müll“, das sind zum Beispiel Staubpartikel und Schadstoffe, die mit der Luft in die Atemwege gelangen. Dort arbeiten Flimmerhärchen unablässig daran, den „Dreck“ nach oben zu transportieren. Er vermischt sich mit dem Schleim aus den Bronchien und wird als Speichel unbemerkt verschluckt – nicht so bei Rauchern. Weil jede Zigarette die Flimmerhärchen für die Dauer von acht Stunden komplett lahmlegt, sind auch die Atemwege von Menschen die „nur“ zwei oder drei Zigaretten am Tag rauchen, ständig unter Druck.

„Nur in der Nacht, wenn also länger als acht Stunden nicht geraucht wird, kann die Müllabfuhr ihre Arbeit wieder aufnehmen“, erklärt Dr. Barczok. Das ist der Grund für den morgendlichen „Raucherhusten“. Dabei werde der Dreck, der sich tagsüber gestaut habe, gesammelt ausgeworfen.