Mit dem Rauchen aufhören – aber richtig

Rationale Argumente sind leider meist wirkungslos beim Bemühen, einen Raucher zum Aufhören zu bewegen. (Foto: Bilderbox)
Rationale Argumente sind leider meist wirkungslos beim Bemühen, einen Raucher zum Aufhören zu bewegen. (Foto: Bilderbox)

Die psychische Dimension der Tabakabhängigkeit kann allein nur schwer bewältigt werden

(dbp/auh) Wer ganz allein versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Das ist kein Zeichen von Willensschwäche, sondern völlig logisch, wenn man die Gesetze der Sucht kennt. Um nicht in die typischen „Rück-Fallen“ zu tappen, sollten sich Raucher auf den Abschied vom Glimmstängel gut vorbereiten.

Es gibt Menschen, die ohne professionelle Unterstützung von ihrem Suchtstoff loskommen. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat es die Mehrheit der deutschen Ex-Raucher so geschafft: von heute auf morgen und ganz ohne fachliche Hilfe. Allerdings, so schränkt die DHS ein, meist erst nach mehreren vergeblichen Anläufen.

Rauchen wird unterschätzt

Beim ersten Versuch schaffen es weniger als fünf Prozent, erklärt Ole Ohlsen. Mit professioneller Unterstützung ist die Erfolgsrate wesentlich höher, weiß der Bad Homburger, der seit 25 Jahren als Suchttherapeut arbeitet. „Rauchen wird unterschätzt“, stellt der Diplom-Pädagoge fest. Die körperliche Abhängigkeit sei relativ leicht zu überwinden, bei Bedarf könnten Nikotinpräparate oder Medikamente helfen. Aber das psychische Abhängigkeitspotenzial sei beim Rauchen so hoch wie bei keinem anderen Suchtmittel. Ein Verhalten, das vor Jahrzehnten erlernt und seither trainiert wurde, das den Tagesablauf strukturiert und bestimmt hat, das soll man von heute auf morgen einfach abstellen und vergessen? Eine unrealistische Vorstellung.

Ole Ohlsen hält auch nichts von der Theorie: „Wer wirklich aufhören will, der schafft es auch.“ Im Gegenteil – der Suchtberater hat die Erfahrung gemacht: „Man muss nicht mit dem Rauchen aufhören wollen, um mit dem Rauchen aufzuhören.“ Man müsse lediglich bereit sein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ohlsen verfolgt einen verhaltenstherapeutischen Ansatz, der auf dem Programm „Nichtraucher in sechs Wochen“ des Suchtmediziners Professor Anil Batra basiert. Die Kurse sind anerkannt gemäß § 20 SGB V und werden daher von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

In drei Schritten zum Erfolg

Im ersten Schritt sei es wichtig, sich über die individuell sehr verschiedenen Gründe für das Rauchen klar zu werden. Ohlsen: „Ein Verhalten, das ich ändern will, muss ich kennen.“ Jeder müsse für sich selbst herausfinden, wobei ihm die Zigarette hilft und dann seinen eigenen Weg finden, das Verhalten zu ändern. „Sie meinen zu wissen, warum Sie rauchen? Ich kann Sie überraschen!“, ist sich der Therapeut sicher.

Wenn die Gründe für das Rauchen klar ermittelt sind, kann in der zweiten Phase neues Verhalten erlernt werden, das heißt der Zigarettenkonsum wird schrittweise reduziert. Die dritte Phase dient der Vorbereitung auf rückfallkritische Situationen. Derart gewappnet, steigen die Chancen, dass auch heikle Momente ohne den Griff zur Zigarette gemeistert werden. Mit professioneller Hilfe wird es sicher leichter, leicht wird es aber nicht.