Mini-Implantate: Fester Halt für die Prothese

Mini-Implantate können zum Beispiel eine Vollprothese halten. (Grafik: dbp)
Mini-Implantate können zum Beispiel eine Vollprothese halten. (Grafik: dbp)

Kleine künstliche Wurzeln werden auch in dünne Kieferknochen eingesetzt.

(dbp/spo) Viele Menschen mit einer Vollprothese im Mund sind genervt: Zischlaute beim Sprechen verraten den künstlichen Zahnersatz. Teils wackelt die Prothese und es gibt Probleme beim Kauen. Die Alternative können Mini-Implantate sein. Sie sind im Kieferknochen verankert und geben der Prothese festen Halt.

Die „Minis“ haben einen Durchmesser von weniger als drei Millimetern und sind damit dünner als herkömmliche Zahnimplantate. Während die konventionelle Version aus zwei Teilen besteht – dem Implantat, also der künstlichen Wurzel, und einem Implantataufbau – bestehen die „Minis“ nur aus einem einzigen Teil, der in einem Kugelkopf endet. Der Zahnersatz verfügt dann über ein Metallgehäuse mit Gummiring, das über den Kugelkopf geschoben wird und per Schnappmechanismus einrastet.

Damit zum Beispiel eine Vollprothese im Unterkiefer auch richtig sitzt, sind etwa vier Mini-Implantate als „Stützpfeiler“ nötig. Der Vorteil: Wer schon eine schleimhautgetragene Prothese hat und sich für die Implantate entscheidet, kann die alte Prothese oft sogar weiterverwenden. Dazu müssen dann die entsprechenden Metallgehäuse eingearbeitet werden. Grundsätzlich kommen Mini-Implantate aber auch infrage, wenn ein Pfeiler einer Brücke verloren geht oder für den Ersatz einzelner Zähne.

Schneller und schonender Einsatz

Der entscheidende Vorteil der kleinen Implantate ist jedoch, dass sie an Stellen gesetzt werden können, an denen nicht genug Knochenmaterial für ein herkömmliches Implantat vorhanden ist. Das heißt: Patienten umgehen einen aufwendigen Knochenaufbau. Zudem können sie minimalinvasiv implantiert werden, der Eingriff ist kürzer und kann unter örtlicher Betäubung erfolgen. Das macht die Mini-Implantate für Patienten letztlich auch günstiger, denn die Kosten für künstliche Zahnwurzeln müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Außerdem ist der Eingriff schonender, was besonders für Angstpatienten oder Menschen mit Begleiterkrankungen interessant ist.

Teils können Mini-Implantate nach dem Einsetzen sofort belastet werden. Ob das tatsächlich geht, „ist aber individuell zu entscheiden“, sagt Professor Dr. Germán Gómez-Román, Implantologe an der Uniklinik Tübingen und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI). Das hänge unter anderem von der Knochenqualität und der Implantatversion ab.

Langzeitstudien fehlen noch

Professor Gómez-Román gibt auch zu bedenken: „Ein dünnes Implantat ist von der Festigkeit her nicht in der Lage, für längere Zeit höhere Belastungen auszuhalten.“ Für Backenzähne ist es laut DGI deshalb eher nicht geeignet. Seiner Erfahrung nach sei zudem die Misserfolgsrate höher und wegen der kleineren Oberfläche werde der Kieferknochen stärker belastet als mit herkömmlichen Implantaten.

Weil die „Minis“ vergleichsweise neu sind, gibt es bislang nur wenige Studien über ihre Haltbarkeit. Einige Untersuchungen haben ihnen schon eine gute Erfolgsquote und eine geringe Verlustrate bescheinigt. Langzeitstudien fehlen allerdings noch.

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