Migräne: reine Nervensache?

Migräne oder Spannungskopfschmerz? Die richtige Diagnose ist Voraussetzung für eine wirksame Therapie. (Foto: Bilderbox)
Migräne oder Spannungskopfschmerz? Die richtige Diagnose ist Voraussetzung für eine wirksame Therapie. (Foto: Bilderbox)

Die neurologische Kopfschmerzerkrankung trifft Frauen dreimal häufiger als Männer

(dbp/mhk) „Ich habe Migräne“ – Für 13 Prozent der Deutschen ist das Realität, nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind Frauen etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.

Migräne ist keine vorübergehende Unpässlichkeit, Migräne ist übel: Anfallsartiger, pulsierender pochender Kopfschmerz, und zusätzlich Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm-, Geruchs-Überempfindlichkeit: „Migräne macht die Betroffenen in der Attacke wirklich krank, setzt sie unbehandelt weitgehend außer Gefecht“, erklärt Dr. Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin und Pressesprecherin der DMKG.

Bekannt sind mögliche Auslöser, aber nicht die Ursache

Die Attacken können bis zu drei Tagen anhalten, der Schmerz schon bei leichten körperlichen Belastungen an Intensität zunehmen. Sie treten entweder spontan oder ausgelöst durch bestimmte (nicht ursächliche, sondern auslösende) Trigger-Faktoren auf: Stress bzw. Entlastung nach Stress, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf, zu wenig Flüssigkeit, hormonelle Schwankungen, Alkohol. Die Ursache ist bislang ungeklärt. Die unheilbare Krankheit ist meist genetisch veranlagt, so die Forschung. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass bei Migräne die Adern der Hirnhaut entzündet sind, ausgelöst durch eine zu schnelle und zu plötzliche Aktivierung der Nerven.

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel, Chefarzt der neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel, erklärt: „Diese schwere neurologische Kopfschmerzerkrankung tritt in zwei Hauptformen auf: die Migräne mit und ohne Aura. Als Aura werden spezielle neurologische Symptome bezeichnet, die typischerweise 60 Minuten vor der Kopfschmerzphase der Migräne auftreten.“ Am häufigsten sind dies Sprach- und Sehstörungen (Flimmern, Zickzacklinien, Schleier, Schlieren), selten auch Missempfindungen, Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen. „In schwerwiegenden Fällen werden sogar Bewusstlosigkeit oder Schlaganfall beobachtet“, so der Facharzt für Neurologie.

Abgrenzung zu anderen Kopfschmerztypen ist wichtig

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die diagnostische Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen. „Der Unterschied liegt im speziellen Auftreten“, so Göbel: Der Kopfschmerz vom Spannungstyp geht beispielweise mit beidseitigen dumpf-drückenden, mittelstarken Schmerzen einher. Körperliche Tätigkeit verstärkt ihn in der Regel nicht, leichte Übelkeit kann bestehen, jedoch kein Erbrechen oder Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit. „Als bedeutsamer Kopfschmerz, der von der Migräne ebenfalls abgegrenzt werden muss, ist der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch“, erläutert Göbel. „Nimmt man an mehr als zehn Tagen Akutmedikamente gegen Migräne oder Spannungskopfschmerzen ein, kann sich die Kopfschmerzfrequenz erhöhen und es können Dauerkopfschmerzen entstehen. Diese sind dann Komplikation der Therapie, man spricht von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.“

Normale Kopfschmerzen kennt jeder. Mehr als die Hälfte aller Deutschen leidet zumindest gelegentlich darunter. Migräne kann in jedem Alter beginnen. Meist liegt der erste Anfall zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr. Bis zum Alter von 40 Jahren haben neun von zehn Migränepatienten ihre erste Attacke bereits erlebt. Neuerkrankungen in der zweiten Lebenshälfte sind eher selten. In diesem Fall sollte der Arzt aufgesucht werden, weil andere, möglicherweise schwere Krankheiten Auslöser dafür sein können.

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