Mehr Prävention per Gesetz

Prävention soll beim Kinderarzt eine größere Rolle spielen, will der Gesetzgeber. (Foto: Ilike / Fotolia)
Prävention soll beim Kinderarzt eine größere Rolle spielen, will der Gesetzgeber. (Foto: Ilike / Fotolia)

Besserer Zugang zu Kursen und Informationen für „gesundheitlich Benachteiligte“.

(dbp/auh) Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Rückenschmerzen, Arteriosklerose –Krankheiten, unter denen immer mehr Menschen in Deutschland leiden. Bei einem anderen Lebensstil wären die meisten dieser Erkrankungen vermeidbar. Die beiden Hauptkrankheitsursachen heißen: zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung.

Das Bundesgesundheitsministerium geht offenbar davon aus, dass das noch nicht alle Bürger wissen. Wie sonst ist es zu verstehen, dass das neue Präventionsgesetz hauptsächlich den Ausbau von Beratung und Krankenkassenkursen vorsieht? Das „Gesetz zur Förderung der Prävention“ wurde Ende Juni 2013 vom Bundestag beschlossen. Es soll dafür sorgen, dass künftig mehr Menschen bestimmte Gesundheitsförderungsangeboten und Präventionsleistungen in Anspruch nehmen.

Minister will Menschen für Gesundheit begeistern

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr begründete die Vorgaben des Gesetzes mit der gestiegenen Lebenserwartung: „Gerade in einer Gesellschaft des längeren Lebens werden Gesundheitsförderung und Prävention in jedem Lebensalter wichtiger denn je. Wir wollen junge und ältere Menschen gleichermaßen dafür begeistern, möglichst gesund zu leben.“ Wie will er das bewerkstelligen? „Wir setzen einen Schwerpunkt auf die Förderung präventiver Angebote in dem Lebensumfeld der Menschen. Also überall dort, wo sie groß werden, betreut werden, lernen oder arbeiten. Auf diesem Weg erreichen wir auch diejenigen, die sozial und gesundheitlich benachteiligt sind.“

Primärprävention beim Kinderarzt

Die Kinderärzte sollen verpflichtet werden, stärker als bisher sogenannte „primärpräventive“ Beratung zu leisten, sprich: sie sollen informieren und aufklären, bevor ein Schaden eingetreten ist. Außerdem ist geplant, dass künftig alle gesetzlichen Krankenkassen die U-Untersuchungen bis zum 10. Geburtstag zahlen.

Das Thema Prävention soll stärker als bisher bei allen Früherkennungsuntersuchungen, nicht nur bei denen für Kinder und Jugendliche, sondern auch beim Check-up-35 für Erwachsene, stärker berücksichtigt werden. Auf der Grundlage der individuellen gesundheitlichen Risiken sollen alle Versicherten regelmäßig beraten werden und vom Arzt eine sogenannte „Präventionsmaßnahme“ empfohlen bekommen. Das kann beispielsweise ein Sport- oder Ernährungskurs sein, der von der Krankenkasse finanziert wird.

Wer an solchen Kursen nicht teilnehmen kann, weil er einen Angehörigen pflegt oder Schichtarbeit leisten muss, soll es zukünftig leichter haben, solche Angebote „in kompakter Form fernab des Alltags, insbesondere in anerkannten Kurorten“ wahrzunehmen. Dazu wird die Obergrenze des Krankenkassenzuschusses von bisher 13 Euro auf 16 Euro am Tag erhöht; für chronisch kranke Kleinkinder von 21 auf 25 Euro täglich.

Nach Ansicht des Ministers ist die betriebliche Gesundheitsförderung „ein wichtiger Baustein für ein erfülltes und gesundes Arbeitsleben“. Deshalb sollen kleine und mittlere Unternehmen dazu bewegt werden, gesundheitsfördernde Maßnahmen anzubieten. Die Betriebsärzte bekommen mehr verbindliche Aufgaben und die gesetzlichen Krankenkassen werden verpflichtet, ihre Ausgaben für die betriebliche Gesundheitsförderung zu erhöhen.