Mangelndes Enzym

Wer Milch und bestimmte Milchprodukte nicht verträgt, könnte eine Laktoseintoleranz haben. (Foto: Fotolia / absolutimages)
Wer Milch und bestimmte Milchprodukte nicht verträgt, könnte eine Laktoseintoleranz haben. (Foto: Fotolia / absolutimages)

Bei Laktoseintoleranz Ernährung umstellen.

(iwg/kmh/fru) Wenn sich nach dem Verzehr von Milch und bestimmten Milchprodukten oft Beschwerden wie z. B. Bauchgrummeln, Blähungen, Durchfall oder Koliken einstellen, könnte eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) vorliegen. Der Grund dafür ist, dass in der Dünndarmschleimhaut ein Mangel eines bestimmten Enzyms (Laktase) vorherrscht, was eigentlich dazu da wäre, Milchzucker zu spalten und dadurch besser zu verdauen. Passiert das nicht, wandert die Laktose direkt in den Dickdarm und verursacht dort Blähungen oder Verdauungsstörungen.

Zwei Formen von Laktasemangel

Eine Milchzuckerunverträglichkeit kann mithilfe verschiedener Methoden wie z. B. dem H2-Atemtest, einem Laktose-Belastungstest, der Eliminationsdiät oder einer Dünndarmbiopsie festgestellt werden. Es gibt grundsätzlich zwei Formen der Laktoseintoleranz: Bei der primären Form nimmt die Laktase-Aktivität aus weitgehend unbekannten Gründen mit steigendem Alter kontinuierlich ab. Beim sekundären Mangel entsteht der Enzymdefekt als Begleiterkrankung, meistens, wenn bereits eine andere Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder eine Glutenunverträglichkeit vorliegt.

Das Bundeszentrum für Ernährung weist darauf hin, dass etwa 15 Prozent der Deutschen von einer Laktoseintoleranz betroffen sind. Diese Menschen – und nur diese – sollten auf ihre Laktosezufuhr achten. Welche Lebensmittel verträglich sind und welche vermieden werden sollten, können Betroffene in einer Ernährungsberatung klären. „Denn selbst für Personen mit dieser Diagnose müssen milchzuckerhaltige Lebensmittel, allen voran Milchprodukte, nicht absolut tabu sein“, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung. Oftmals werden auch bei einer Laktoseintoleranz geringe Mengen Milchzucker vertragen – wie viel sei jedoch individuell unterschiedlich. Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Quark enthielten von Natur aus Milchsäurebakterien, die dem Körper helfen, die Laktose besser zu verdauen. Einige Milchprodukte seien auch aufgrund ihrer Verarbeitung arm an Milchzucker wie Emmentaler, Edamer, älterer Gouda, Parmesan und auch Butter.

Spezialprodukte oft überflüssig

Im Supermarktregal gibt es mittlerweile ganze Regale mit laktosefreien Produkten. Für betroffene Patienten bietet das wachsende Angebot dieser Lebensmittel laut Bundeszentrum für Ernährung eindeutig Vorteile. Für alle anderen bedeutet es eine unnötige finanzielle Belastung. Denn der Hinweis „laktosefrei“ steht auch auf manchen Produkten wie Schinken oder Müsli, die ohnehin normalerweise keinen Milchzucker enthalten.

Das sieht auch die Verbraucherzentrale Hessen so und fordert: „Viele Lebensmittel wie Käse sind von Natur aus praktisch laktosefrei, werden aber speziell beworben. Damit muss Schluss sein!“ Bislang gebe es keine gesetzlichen Regelungen für die Bewerbung laktosefreier Lebensmittel. Laktose sowie Milch und Milchbestandteile müssen als Zutaten bei allen verpackten Lebensmitteln angegeben werden. Die Menge der enthaltenen Laktose muss jedoch nicht auf der Verpackung stehen. Ein Produktvergleich sei für Betroffene daher nicht möglich. „Diese Situation wird von den Herstellern von Spezialprodukten ausgenutzt, deren laktosefreie Produkte zum Teil deutlich teurer als die herkömmlichen Vergleichsprodukte sind“, bemängelt die Verbraucherzentrale.