Man muss „nur“ wollen

Die Psyche ist für den Abnehmerfolg ein wichtiges Puzzleteil. (Foto: vege / Fotolia)
Die Psyche ist für den Abnehmerfolg ein wichtiges Puzzleteil. (Foto: vege / Fotolia)

Die Psyche spielt beim Abnehmen eine entscheidende Rolle.

(dbp/fru) Es gibt sie, die Erfolgsgeschichten, die beweisen, dass es doch geht: Abnehmen und dauerhaft das Wunschgewicht halten. Auch Axel B. hat es geschafft. Sein Geheimnis: Willensstärke und Disziplin. „Ich habe 123 Kilo gewogen bei nur 1,80 Körperlänge“, erzählt der Handwerksmeister. Innerhalb von zwei Jahren hat er fast 40 Kilo abgenommen und hat heute Normalgewicht. „Abnehmen ist für mich Kopfsache. Jetzt, wo ich mein Wunschgewicht erreicht habe, geht es „nur“ noch ums Gewicht halten.“, sagt der 41-Jährige und lacht. „Heute gönne ich mir auch wieder ab und zu eine kleine Sünde, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.“

Es muss Klick machen

Für viele, die es geschafft haben, begann der Weg zum Wunschgewicht wie für Axel B. mit einem einschneidenden Erlebnis. Sein 10-jähriger Sohn spielt gerne Fußball und Axel B. kickt in seiner Freizeit öfters mal mit. Eines Tages hatte er beim Fußballspielen mit seinem Sohn einen Schwächeanfall und sackte zu Boden. Angstschweiß, Atemnot und ein massives Engegefühl im Brustbereich begleiteten Axel B. die nächsten Minuten. Sein Sohn holte Hilfe und er kam rechtzeitig ins Krankenhaus. Die Diagnose: Herzinfarkt. Zum Glück konnte er sich wieder recht schnell erholen und hat keine bleibenden Schäden davon getragen. Die Angst in den Augen seines Sohnes und auch die eigene Machtlosigkeit haben jedoch Spuren hinterlassen.

Nach einem Gespräch mit seinem Hausarzt hat der Handwerker beschlossen, seinen Lebensstil von heute auf morgen radikal zu ändern: Eine ausgewogenere Ernährung mit weniger Kalorien, Verzicht auf Süßigkeiten und regelmäßiger Sport stehen seit dem auf dem Programm. „Bei mir hat es einfach Klick gemacht. Nur auf mein Feierabendbier wollte ich nicht verzichten“, sagt Axel B. schmunzelnd. Und er fügt hinzu: „Ich habe das auch für meinen Sohn gemacht. Ich wollte ihn nie wieder in eine solche Situation bringen.“ Mit diesem übergeordneten Ziel vor Augen schafft es der Familienvater auch heute noch, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

Die Esslust einfach „wegdenken“

Was ist aber mit all den Menschen bei denen es noch nicht „Klick“ gemacht hat. Können auch sie sich anhand ihrer eigenen Psyche schlanker denken? Ja, meint die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Cora Besser-Siegmund auf den Seiten des Fördervereins fair beraten e. V. „Eines der größten Probleme beim Dicksein und Abnehmenwollen ist, dass die Betroffenen fast ständig ans Essen denken müssen. Gerade auch während einer Diät entstehen oft regelrechte Essphantasien. Während die Leute vor ihren Salattellern sitzen, träumen sie von Pizza, Torten, Schokolade, Sonntagsbraten und Eiscreme. Diese Vorstellungen werden umso intensiver, je mehr man versucht, nicht ans Essen zu denken.“, so die Expertin.

Die Psychologin hat deshalb die sogenannte Easy-Weight-Methode entwickelt, bei der man durch mentales Training seine Essphantasien beeinflussen und somit abnehmen kann. Sie spricht mit ihrer Methode also nicht die Körperzellen an, sondern vielmehr die Gehirnzellen, weil dort die menschlichen Denkmuster und Verhaltensweisen entstehen und von dort auch Hunger- und Sättigungsgefühle gesteuert werden.

Ziel des Trainings ist es, dass Betroffene in den eigenen – zunächst virtuellen – schlanken Körper „hineinschlüpfen“ und anfangen, die Welt mit den Augen eines schlanken Menschen zu betrachten. So kommen sie in Kontakt mit dem Schlanksein-Gefühl und schaffen sich damit alle Voraussetzungen für ein entsprechendes Schlanksein-Verhalten. Im Trainingsverlauf  lernt man beispielsweise, sich zu bewegen wie ein Schlanker und auf weiteren Sinneskanälen satt zu werden (zum Beispiel „sich satt sehen“ oder „einen Ohrenschmaus genießen“). Zudem stehen auch die optimale Eigenmotivation und die Aufarbeitung der unbewussten seelischen Ursachen des Zuviel-Essens im Vordergrund.